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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1885-01-01 · VII. (1885) · page 145

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
VII. (1885)
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 145)
Language
German
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141 neuerer Zeit ist nun dies Versäumniss allerdings reichlich nachgeholt worden. Wir besizen ausführliche Commentare von David Pardo und Samuel Abigedor. Man kann diese Werke jedoch nur als nüzliche Vorarbeiten ansehen, da die Verfasser dadurch, dass ihnen die talmudische Behandlung des in der Tosefta dargestellten Halachastoffes als die allein niaszgebende erschien, von der kritischen Methode, so gewandt sie auch in der Handhabung derselben sich zeigen, nicht in dem Masze Gebrauch machen konnten, als es die wissenschaftliche Betrachtung erfordert. Herr Schwarz, der nicht eigentlich einen fortlaufenden Commentar zum Toseftatexte liefern, sondern vielmehr die einzelnen Bestandteile desselben untersuchen will, um die Beziehung derselben zu den in der Mischna vorhandenen Lehrsäzen festzustellen und danach das Gefüge der Baraitasammlung, in der sie ihren Plaz gefunden haben, zu beurteilen, muss unWillkürlieh auch in den Inhalt derselben eingehen, so dasz wir für schwierige Stellen der Tosefta in vorliegender Schrift neue Erklärungen vorfinden, die ganz zutreffend erscheinen und der früheren Auffassung bei Weitem vorzuziehen sind. Er nimmt selbstverständlich auf die talmudischen Citate und Discussionen gebührende Rücksicht, ohne jedoch da, wo in denselhen die alte Ueberlieferung bereits getrübt erscheint oder die Auffassung von ungehörigen Voraussezungen beeinflusst ist, dies zu ignoriren und sich in künstlicher Harmonistik zu versuchen. Zu neuen, positiven Ergebnissen gelangt der Verfasser eben dadurch, dasz er jenen allein richtigen freien Standpunkt einnimmt, bei welchem der Talmud zwar als eine in höchstem Maasse beachtenswerte Instanz, keineswegs aber als aileinherrschende Autoritat auf dem Gebiete der rabbinischen Traditionswissenschaft betrachtet wird. Insoweit nun der Verfasser durch wol angebrachte kritische Operationen den Text der Erubin-Tosefta, die er in vorliegender Schrift behandelt, von den durch ungenaue Fassung und irrige Niederschreibung entstandenen Schäden geheilt und Verstümmelungen biosgelegt hat, die das Verständniss der einzelnen Stellen in beträchtlichem Masze erschwerten, wird man sich im Ganzen mit ihm einverstanden erklären können. Ein anderes Bewandtniss hat es jedoch mit den vielen Dislocirungen, die er mit den einzelnen Bestandteilen derselben vorzunehmen für nötig hält, um die Reihenfolge derselben mit der Ordnung, in der die verwandten Lehrsäze in der Mischna aneinandergefügt sind, in Einklang zu bringen. Der Verfasser hat hier wiederum, wie in seiner Untersuchung über die Tosefta des Tractates Sabbat (s. Jahrb. 5 S. 145—148) die Möglichkeit, dasz auch in der Mischna eine andere Verteilung des Lehr- Stoffes, als wir sie in dem auf uns gekommenen Werke des Patriarchen R. Jehuda vorfiuden, vorhanden gewesen sein könnte, nicht im Geringsten in Anschlag gebracht, obzwar er ja selbst schlagende Beweise dafür vorlegt, dasz der Verfasser der Tosefta die Mischna R. Meir’s, die sicherlich der des R Jehuda nicht allen Stücken conform war, gekannt hat. ״Wir bekommen gleich beim ersten Schritte“, wird S. 7 bemerke, ״einen Vorgeschmack von der seltsamen Mischung, die uns hier gereicht werden soll“״

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