Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- VII. (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 144)
- Language
- German
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140 zur Norm erhobene Anname, die mehr auf Erfahrung als auf Berechnung beruhte, konnte natürlich Samuel nicht bekannt sein, und doch war erst durch die Anwendung derselben eine feste Kalenderordnung möglich. — Wie allmälig der Gebrauch eines constanten Kalenders sich herausgebildet hat, wird kaum mehr zu ermitteln sein. Samuels System scheint selbst in Babylonien nicht in die Praxis eingedrungen zu sein; die dortigen Schulen erhielten erst in späterer Zeit die palästinische, wahrscheinlich in dem Patriarchenhause bewahrte Kalenderordnung mit der Weisung, auch nach Kenntniss derselben an dem alten Brauche, nach welchen des Zweifels halber die Feste doppelt gefeiert wurden, nichts zu ändern (j. Erub. 3, 9 b, Beza 4b)J). Der Inhalt dieser Ordnung, die sicherlich weiteren Entwicklungen zur Grundlage gedient hat, ist nicht bekannt worden. 24. Die Tosefta des Tractates Erubin in ihrem Verhältnisse zur Mischna, kritisch untersucht, nebst einem Anhänge: Der Toseftatext zu den Mischnajot der Tractate Sabbath und Erubin von Dr Adolf Schwarz, Rabbiner in Karlsruhe. Karlsruhe, Bielefeld, 1882. 8. 120 u. 40 S. Es ist ein schwieriges, noch wenig cultiviertes Terrain, das der Verfasser sich zu seinem Arbeitsfeld ausersehen hat, ein Gebiet, das in den früheren Jahrhunderten von den Talmudkundigen oft betreten, flüchtig durchwandert und stellenweise auch für die Wissenschaft fruchtbar gemacht, aber doch eigentlich nie gründlich erforscht worden ist. Es ist bezeichnend, dass, währenddem im Mittelalter zu den anderen als extern angesehenen halachischen Sammelwerken, zu Sifra, Sifre und Mechilta2), Commentare verfasst wurden, von denen einige sich erhalten haben und andere wenigstens dem Namen nach bekannt sind, nirgendwo etwas davon verlautet, dasz ein Talmudforscher an die specielle Erklärung der Tosefta gedacht habe. In keine Zeugen kamen oder die Aussendung von Boten überhaupt unterblieben war, die Bestimmung der Monatsanfänge so abhängig, dass man hierüber eine bestimmte Norm aufsteilen muszte. 0 Die in bahyl. Schulen überlieferte Weisung הזהרו במנהג אביהיכס בידכם, die etwa durch אע״פ שידעתם קביעות החדש zu ergänzen wäre, sagt in anderen Worten dasselbe, was in Jerusch, durch die Worte: אעח״י לכם סדרי מועדות אל תשני (Piske Tos. r. hasch. No. 71 שכתבו (ששלחנו מנהג אבותיכם נוחי נפש ausgedrückt wird. Stellen diese nur eine 2. Version derselben dar, dann kann סדרי מועדוח sicherlich nichts anderes als Festkalendarien bedeuten. *) Das citat a 'מפי(מפירוש •1) ר' מאיר בר קיונימום במכילת (S. Keritut 5, 1, 11 vgl. Zunz z. Gesch. S. 53) scheint auf einen Mechilta־Commentar des R. Meir b. Kalonymos (vgl Jahrb. 2, S. 200) hinzuweisen, dessen Erklärungen zum Sifra in einem alten handschriftlichen Commentar angeführt werden (Steinschneider in Geiger* *8 jüd. Zeitschr 10. S. 316).