Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- VII. (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 129)
- Language
- German
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125 Schöpfungen derselben in einem den Gegenstand erschöpfenden, in allen seinen Zügen wol ausgeführtem Bilde vorführen soll, und es ist ihm in der That auch gelungen, diese äuszerst schwierige Aufgabe in vorliegendem Werke in einer höchst befriedigenden Weise zu lösen. Der Verfasser hat nicht nur auf die Eruirung der einzelnen Thatsachen und Erscheinungen, die hier in Betracht zu nemen sind, die gröszte Sorgfalt verwendet und dieselben mit Hilfe der umfassendsten Quellenforschungfestgestellt, sondern auch durch den künstlerischen Aufbau seines Werkes und die klare und ausdrucksvolle Darstellung, die nirgendswo eine Lücke zurückläszt oder den Zusammenhang unterbricht, demselben eine Vollendung verliehen, die gerade bei dem disparaten und ungefügigen Stoffe, der zu dessen Herstellung verwendet werden muszte, äuszerst schwer zu erreichen war. Es bildet gleichsam eine breite gerade Hauptstrasze, die durch das ganze Gebiet der amoräischen Literatur hindurchführt und dem Betrachter den ganzen Plan desselben vor Augen stellt. Anstatt der abgerissenen und nach allen Richtungen hin versprengten Aussprüche der Schöpfer dieses Schrifttums lernen wir hier ihre Gesammtleistung kennen und ihre Denkweise und Lehrrichtung, die in derselben ihren Ausdruck gefunden hat. Der reiche Inhalt dieses Buches läszt sich auch in Kürze nicht annähernd skizziren, doch wollen wir es nicht unterlassen, einigen Bemerkungen hier Raum zu geben, die sich auf denselben beziehen. Die Bezeichnung ברייחא für externe Halacha (S. 3) kömmt in der pal. Gemara in der Form ברייה V01Y s• Meg. 3 וההן תנייה לא נסיד אפילו.(אפיה •1) לברייה; vg1•aucl* גע (חנא ברא =) חנייה ברייה j. chai. 4,1; Pes. 7, 1. — S. 19 A. hält es der Verf. für ausgemacht, dass die Variante ואי[ אנשי in dem von Raba vorgetragenen Mischnatexte (vgl. auch j. Erub.7,1) nur aus einem falsch verstandenen Zeilencustos hervorgegangen sei. Es ist indes hier blos eine schwankende Ueberlieferung zu constatiren, wie sie gerade bei Raba in einem analogen Falle (Sab. 60 a) sich bemerkbar macht. — Aus Kid. 33 a glaubt der Verfasser (S. 43 A.) ersehen zu können, dass R. Simon, der Sohn des Patriarchen R. Juda, den ihm sonst geistig überlegenen R. Chija in die haggadische Interpretation der Psalmen eingeweiht habe. In j. Kilajim 9, 3, wo augenscheinlich derselbe Vorfall in anderer Version erzählt wird, wird von R. Chija gesagt, dass er mit der Agada des ganzen Psalmbuches sich beschäftigt habe, ohne dass von einer Beihilfe etwas erwähnt wird. — Was S. 44 A. betreffs der Stellung, die Chanina nach der leztwilligen Anordnung des Patriarchen R. Juda einnemen sollte, gegen Grätz bemerkt wird, erweist sich auch nach dem Wortlaute des Referates in j. Taanit 4, 2 als richtig. Wenn R. Juda seinem Sohne empfolen haben soll, die Ordination der Jünger auf einmal vorzunemen und vor Allem die des R. Chanina, so war schon darin der Wunsch ausgesprochen, dass dieser als Leiter des Collegiums fungiren sollte. Der von Grätz erhobene Einwand, dass der Patriarch selbst dieses Amt versah und dass nach der talmudischen Relation R. Ephes und R. Chanina Nachfolger R. Juda’s im Patriarchate