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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1885-01-01 · VII. (1885) · page 128

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
VII. (1885)
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 128)
Language
German
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124 13. דור דיר רדררשיו♦ Zur Geschichte der jüdischen Tradition von J. H. Weiss, Lector am Bet־ha־Midrasch in Wien. III. Teil. Yom Abschlusz der Mischnabis zur Vollendung des babilonischen Talmuds. Wien, Löwy, 1883, 8., 827 S. Es ist zwar schon oft das Bedürfniss empfunden und der Wunsch ausgesprochen worden, dass die in den Talmuden über einander gelagerten, in verschiedenen Zeitaltern entstandenen Literaturschichten einmal gründlich untersucht und die Fortbildung, zu der die rabbinische Traditionswissenschaft in palästinischen und babylonischen Lehrakademien gelangt ist, nach genauer Erkenntniss der Factoren, durch die sie bewirkt wurde, aufgezeigt und dargestellt werde, aber es hat sich bisher wegen der wenig anlockenden Arbeit, die die Bewältigung eines ungemein ausgedehnten und doch nur in geringem Masze ergiebigen Materials erfordert und bei anstrengendstem Fleisze und emsigster Vertiefung nur einen zweifelhaften Ertrag verspricht, kein Gelehrter an dieselbe ernstlich heranwagen wollen Es ist für diesen Zweck bei Weitem nicht genügend, dass die directen Angaben über Lebensverhältnisse, Lehrthätigkeit und Geistesrichtung der einzelnen Amoräer, die in den Talmuden und Midraschim sich vorfinden, aufgesucht und klargemacht werden; die wesentliehe, aber auch viel schwierigere Aufgabe liegt hier für den Forscher vielmehr darin, dass alle die zerstreuten Aussprüche und Meinungsäuszerungen der einzelnen Gesezeslehrer in prüfender Ueberschau zusammengefaszt und danach die Tendenzen und Gesichtspunkte festgestellt werden, die in denselben hervortreten. Dazu gehört aber auszer einer innigen Vertrautheit mit dem ebenso umfangreichen als schwer zu durchdringenden Lehrstoffe der groszen Sammelwerke der rabbinischen Tradition auch eine ungemein scharfe Beobachtungsgabe, die sich die unmerklichen Analogien wie auch die feinen Verschiedenheiten, die nur ein geübtes Kennerauge wahrzunemen vermag, nicht entgehen läszt, und ein klarer Blick, der in der Unmasse verwirrender Notizen das Wesentliche und Charakterische festhält und die Beziehung des Einzelnen auf das Ganze nie auszer Acht läszt. Es ist daher um so erfreulicher, dass ein Mann, der diese Eigenschaften besizt und mit einer eminenten Gelehrsamkeit eine objectiv kritische Betrachtungsweise verbindet, diese überaus mühselige Arbeit in die Hand genommen und sie in einer der weitgehendsten Anforderungen entsprechenden Weise zu Stande gebracht hat. Herr Weiss hat in fortschreitender Ausführung seines grosz angelegten Werkes über die Geschichte der rabbinischen Tradition, von welchem bereits früher zwei Bände, in denen die sopherische und die tanaitische Periode behandelt wird, erschienen sind, es unternommen, die Lehrthätigkeit der Amoräer, die die beiden Gemaren nnd die palästinischen Midraschwerke geschaffen hat, darzustellen, die spezielle Bedeutung der einzelnen hervorragenden Gesezeslehrer und Schriftforscher, die dieser Literatur ihren Inhalt gegeben, in’s Lieht zu sezen und eine organisch zusammenhängende Geschichte der babylonischen und palästinischen Gelehrtenschulen zu entwerfen, die uns ebenso die Leistungen ihrer einzelnen Leiter und Jünger als auch die Gesammt-

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