Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- VII. (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 121)
- Language
- German
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117 interessantesten Stellen, Anführungen aus Gabirol's Schriften und dgl., die in derselben fehlten und nur nicht vermiszt wurden, weil man bei der vorsichtig zugestuzten neuen Textgestaltung derlei Lücken gar nicht erkennen konnte. Es war endlich auch einmal Zeit, den Text dieses Commentars von seinen vielfachen Schäden und Verstümmlungen zu heilen und ihn uns in unverkürzter Gestalt vorzulegen. Dieser Aufgabe hat sich nun Herr Schiller- Szinessy (im Vereine mit Herrn Lowe, dessen Mithilfe in der Vorrede dankend anerkannt wird) mit vielem Aufwand von sorgsamem und mühevollem Fleisze unterzogen. Er hat in neunzehn Handschriften und in gedruckte Ausgaben, die den vollständigen Text darbieten, Einsicht genommen, den Inhalt der einzelnen Stellen genau geprüft, die Citate aus Bibel, Talmud und Midrasch nachgewiesen, so dass wir nun wenigstens zu dem ersten Buch der Psalmen — so weit reicht nämlich die vorliegende Lieferung — den echten, oder wie ihn der Verfasser nennt, ausführlichen Commentar (פירוש הארוך) Kimchi’s besizen. Die Schreibart und Darstellungsweise Kimchi’s ist bekanntlich so einfach und durchsichtig, dass man selten auf eine holperige Stelle trifft. Es war daher dem Herausgeber wenig Gelegenheit zu besonderen Bemerkungen dargeboten, aber auch in den wenigen Noten findet der Leser manches Beachtenswerte, wie z. B. die Rectification der von Kimchi citirten Midraschstelle (S 71) und dgl. Dass דיוטי (Gen. rab 50 und Parallelst.) aus בטן corrumpirt sei (S. 30), ist sicher nicht annembar; es ist, obzwar der Verfasser alle anderen Erklärungsversuche verurteilt, nichts anderes als Sicuru. — Dass וחשקיחם (Exod. 27, 10) im Onkelos-Targum durch וחשוריהון wiedergegeben wurde, wird zwar (zu Ps. 18, 17) ausdrticklich angegeben, indes wird wol die Bemerkung ursprünglich dahin gelautet haben, dass dieses aramäisch gerade so übersezt werde wie □להשריה (1. Kön. 7, 33). — Nicht ganz klar ist die Bemerkung zu Ps. 19, 8, dass das Stiftszelt sammt seinen Gerätschaften auf die Wissenschaft der ״mittleren Welt“ hinweise, die ein Bild der oberen Welt und des Mikrokosmos sei (כי כל דברי המשכן מורים על החכמה שיקראו אוהם החכמים עולם האמצעי שהיא דמות העולם העליון ודמות העולם הקטן)■ Nach Abr. Schalom 7, 1, 9 hat man sich unter עול□ האמצעי die Sphäre der Himmelskörper zu denken, von welchen man durch die Naturwissenschaft Kenntniss erlangt.(השיג העולם האמצעי והחכמה הלמודית שהיא עולם הגלגליס)• In gleicher Weise drückt sich Botarel aus עולם האמצעי שהיא ע' הגלגלים Einl. z. Jez. Comm. Maimonides (M. Thora II, 3 vgl. More II, 10) teilt der mittleren Welt die Gestirne, der oberen die Engel zu. Die Einteilung in 3 Welten hat auch Ahron b. Elia (I, 1, vgl. c. 63), doch hat er auch eine Vermittlung zwischen der sphärischen und der niederen Welt. Die Stiftshütte wird als Bild des Menschen in Kus. II, 27 behandelt (vgl. Cassel z. St. und Abarb. P. C. zu Exod. 25). Die von Kimchi angedeutete Auslegung kann nur dahin verstanden werden, dass die Stiftshütte selbst ״mittlere Welt“, d. i. bildliche Darstellung der oberen und der niederen Welt, die als ein Mittel zur geistigen Betrachtung beider dastand, genannt wurde. —