Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- VII. (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 116)
- Language
- German
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112 uiid da, wo nur dürftige Anhaltspunkte vorhanden sind, sich durch wol entworfene Combinationen den Weg zum richtigen Verständnisse zu bahnen weisz. Wol wird es den Lesern seiner Schriften auch nicht entgehen, dass er von einem Zuge zur Hyperkritik, die von selbstgeschaffenen Voraussezungen ausgeht und zu sehr in die Ferne schweift, wie auch von einer gewissen Voreingenommeuheit für Einfälle, die sich bei näherer Prüfung als haltlos herausstellen, nicht ganz frei ist, so dass er sogar Daten übersieht und Momente auszer Acht läszt, die für den Gegenstand, den er in Betracht nimmt, von wesentlicher Bedeutung sind, aber auch in solchen Fällen bietet seine Auffassung manche Gesichtspunkte dar, die beachtet zu werden verdienen. In vorliegendem Werke geht der Verfasser zumeist darauf aus, im Talmud Unrichtigkeiten nachzuweisen, die darauf schlieszen lassen, dass die Lehrsprüche der Tanaiten und Amoräer von ihren Jüngern falsch ausgelegt wurden, und ferner auch zu zeigen, dass die alten Commentatoren des Talmuds, Raschiund die Tosafisten, sich Oberflächlichkeiten zu Schulden kommen lieszen, die Mangel an tieferer Einsicht und Sachkenntniss verraten. Es ist dem Verf. in der That gelungen, hie und da und namentlich an den Stellen, deren Inhalt nur Hilfe der Geschichtsforschung und der Kenntniss der römischen Rechtsnormen klargemacht werden können, den allein richtigen Sinn zu ermitteln und die Verworreuheit, die in denselben durch eine Verwechslung von Personen und Begriffen sich eingestellt hat, durch eine sachgemäsze Auseinandersezung zu beseitigen, doch sind auch seine eigenen Erklärungen nicht immer so überzeugend, dass man sie so unbedenklich hinnemen könnte. Wenigstens wird durch sie der heftige Ton, durch welchen der Verfasser seinen Widerlegungen einen so grossen Nachdruck verleiht, nicht gerechtfertigt. Eine vortreff־ liehe Leistung ist die den Scholien vorrangehende Abhandlung über die babylonischen Exilarchen, die viele neue und interessante Aufschlüsse darbietet, obzwar die Angaben in Seder Olam sutta (s. Jahrb. II S. 90) viel zu wenig berücksichtigt und anderseits wiederum manche Annamen als vollgültig hingestellt werden, die troz der Begründung, die ihnen der Verfasser giebt, noch sehr zu bezweifeln sind. So werden z. B. an die sehr ansprechende Vermutung, dass Achija (M. kat. 20a Berach. 63b) ein Exilsfürst und R, Natan, der Babylonier, sein Bruder gewesen sei, manche Hypothesen über die Vorfahren desselben angereiht, die auf sehr schwachem Grunde ruhen (der Name ווטרא S°U aus שפט entstanden sein u. dgl), aus לשבח המית (P* 13) wird eine Haileder Quästoren gemacht, Betar mit Betzura identificirt u. A. Durch solche zumeist nur nebenher hingeworfene Behauptungen wird indes der eigentliche Wert dieser Arbeit, die in die Verhältnisse der babylonischen Judenheit während der Amoräerperiode eingeht, weiter nicht beeinträchtigt, ln den nun folgenden gröszeren und kleineren Erläuterungen zu einzelnen Stellen des babylonischen Talmuds wird der aufmerksame Leser manches Goldkorn entdecken, das aufbewahrt zu werden verdient. Doch wird auch hie und da in den in Betracht genommenen Stellen oft mehr gefunden, als in ihnen liegt. Sehr richtig wird S. 85