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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1885-01-01 · VII. (1885) · page 110

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
VII. (1885)
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 110)
Language
German
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106 Talmuds, dass die Redaction desselben lange Zeit vor der Niederschreibung desselben stattgefunden haben müsse, was auch in Jahrb. 2, S. 97 nachgewiesen ist. Der geschriebene Talmud ist blos die getreue Copie der mündlieh geführten Schuldiscussionen; eine systematische Zurechtlegung und einheitliche planmäszige Ordnung dieser Materialien, bei welcher Wiederholungen zu vermeiden, Widersprüche zu beseitigen, variirende Ueberlieferungeu in Uebereinstimmung zu bringen gewesen wären, war bei dessen Aufzeichnung nicht beabsichtigt und hätte, da die Sammel- und Schreibthätigkeit die Kräfte vollauf in Anspruch nahm und überdies auch die Ruhe und Zeit dazu nicht vorhanden war, kaum bewerkstelligt werden können. Gleichheit herrscht nur bezüglich der Methode der Gruppirung, Verteilung und Darlegung des Stoffes. Auf die Bedeutung des Namens וסבוראי ^er den Männern, die den Talmud zu Papier brachten, beigelegt wurde, würden wir hier nicht noch einmal zurückkommeu, wenn der Verfasser nichts. 112 die Ansicht D. Oppenheims, der ס0וראי *ür die Urform des Wortes hält, von Neuem Vorbringen würde. Das aus Ps. Jon. Gen. 49, 10 beigebrachte סברין für ספרא bei Onkelos existirt nicht. Der vom Verfasser eingesehene Text hat warscheinlich an dieser Stelle einen Druckfehler. Da die Thätigkeit der Saboräer סברא genannt wird (Sed. Tan. Ende), so ist an jene Ableitung überhaupt nicht zu denken, dagegen können wir der Meinung des Verfassers bezüglich der verschiedenen Recensionen des Scherira’schen Responsums (S. 116 ff.) vollständig beistimmen. Dass Scherira eine schriftliche Abfassung der Mischna und der anderen talmudischen Werke nicht angenommen hat, ist auch in Jahrb. ib. S. 112 nachgewiesen worden. Im Anhang (120 ff.) giebt der Verfasser einige treffliche Proben von irrtümlichen Auffassungen und handgreiflichen Confusionen, die durch mangelhafte Concipirung der überlieferten Halacha’s entstanden sind. In No. II (M. Pesach. 2, 2) ist בהנאה blos der Conformität halber beibehalten worden, wie überhaupt dieser ganze Saz nur eine formelle Antithese zu der im Nachsaze ausgesprochenen Halacha bildet, auf deren Darlegung allein es hier abgesehen ist. Nach מותר בהנאה sollte wol hinzugefügt werden: ואין צריך לומר באכילה wie iß Tos. Pes. Ed. Zuckerm. I, 20. Darauf läuft auch die in der p. Gemara gegebene Erläuterung hinaus. Mit No. V (M. Chul. 3, 1, 2) hat es ein eigenes Bewandtniss. Hier ist eine Abbreviatur für ein selbständiges Wort angesehen worden. Ursprünglich lautete 3, 1: ניטל בבד ולא נשתייר בדי להעלות ארובה טריפה• •Die auf נשתייר folgende״ Worte waren durch die Chiffre בל׳א bezeichnet, welche fälschlich für eine Verkürzung von הלס gehalten wurde. Ohnehin ist ja im Sinne der recipirten Fassung die Bemerkung ולא נשתייר ב^וס ganz überflüssig. Da nun die Bestimmung כדי להבלות ארוכה hier vermiszt wurde, wurde in M. 3, wo eine genauere Angabe erforderlich war, כזיה a^8 entscheidendes Merkmal hingestellt. — Die Klarlegung solcher Einzelheiten ist höchst verdienstlich. Es ist endlich Zeit, dass mit dem pilpulistischen Gerolle gründlich aufgeräumt und besserer Einsicht Raum verschafft wird.

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