Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- VII. (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 108)
- Language
- German
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104 S. 22 ff.), der ein alle Schranken durchbrechendes Deutungsverfahren. eine Unmenge halachi!־־chen Lehrstoffes schuf und auch dafür Sorge tragen muszte, denselben uuterzubringen. Durch ihn wurde die bereits in der hillelitischen Schule eingfübrte Methode, die Halaclia’s, besonders diejenigen, welche controvers waren, als ein besonderes Fach zu behandeln, weiter ausgebildet oder mit anderen Worten: die Mischna zu einem Hauptgegenstand des Studiums gemacht. (Der Verfasser geht offenbar zu weit, wenn er R. Akiba als den eigentlichen Schöpfer der Mischna ansieht.) Man könnte sich nicht darüber wundern, wenn damals der Versuch gemacht worden wäre, das alte Schreibverbot zu brechen oder stillschweigend zu umgehen; es erschien sonst unbegreiflich, warum gerade in der Schule Ismaels dasselbe neuerdings so scharf betont wurde (Tem. 14 b), währenddem sonst nie eine Stimme dafür oder dagegen sich erhoben hatte. Man kann in der Erinnerung an dieses Gesez und der biblischen Begründung desselben nichts anderes als einen prophylaktischen Zug erkennen, einen deutlichen Wink gegen etwaige Versuche, dasselbe stillschweigend zu beseitigen. Uebertretungen dieses Gesezes müssen vorgekommen sein, da sonst gegen die ״Schreiber der Halacha’sa nicht so heftig geeifert worden wäre. Es läszt sich annemen, dass es an Versuchen, die Niederschreibung der Mischna zu gestatten und zu rechtfertigen, nicht gefehlt hat. Wahrscheinlich wurde in dem Patriarchenhause ein geschriebenes Exemplar der Mischna aufbewahrt, das jedoch verborgen gehalten wurde und blos den zu demselben gehörenden bekannt war. Hieronymus (Quaest. X, ad. Algasiam, bereits bei Wolf bibl. II. p.677 angeführt), spricht von einem umfangreichen Buche pharisäischer Traditionen, von welchem er Kenntniss erlangt hat1). Hier kann offenbar nur die Mischna gemeint sein. Das Manuscript wurde weder für den öffentlichen Vortrag benüzt, noch wurden Abschriften aus demselben angefertigt. Es hatte keine gröszere Autorität als die im Gedächtnisse der Gesezeslehrer erhaltene Tradition. Die verschiedenen Ueberlieferungen hinsichtlich der Fassung des Wortlautes hatten den Wert authentischer Varianten, so dass die Entscheidung über die Richtigkeit derselben nicht aus dem geschriebenen Texte zu holen war, der übrigens auch nie eingesehen wurde, weil man sich eben über die Halacha nicht aus Büchern belehren durfte, und den Meisten unbekannt blieb. Auch die Amoräer haben wahrscheinlich, ob auch im öffentlichen Vortrage wie bei der privaten Mitteilung von Halacha’s das mündliche Verfahren streng eingehalten wurde, sich im Geheimen ihre Bemerkungen skizzenhaft, zumeist durch blosze Bezeichnung der Schlag- Wörter, notirt. — Betreffs des Verhältnisses der Tosefta zur Mischna S. 43—67 *) Die Stelle lautet: Quautae traditiones Pharisaeorum sint, quas hodie vocant dfVTtQOiotig, et quam aniles fabulae evolvere nequeo. Neque enim libri patitur magnitudo et pleraque tarn turpia sunt, ut erubescam dicere• Morinus Auffassung, nach welcher H. sagen soll, dass er seinen Brief nicht zu weit ausdehnen will, wird von Trigland gründlich widerlegt.