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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1885-01-01 · VII. (1885) · page 105

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
VII. (1885)
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 105)
Language
German
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101 die der Verfasser aus seinen Wahrnemungen zieht, sind gerade nicht immer so stringent, dasz eine andere Auffassung durch sie ausgeschlossen wäre, indes sind bei der Behandlung der hier in Betracht kommenden Fragen hypothetische Aufstellungen selten zu vermeiden und der Leser wird daher auch diesen, zumal sie von wissenschaftlicher Begründung gestüzt werden, gerne die gebührende Beachtung zu Teil werden lassen. 10. Einblicke in die Geschichte der Entstehung der talmudischen Literatur von Dr. J. S. Bloch. Wien 1884, Löwy 8. 12 und 110 S. Unter ähnlichem Titel wurde in dieser Zeitschrift eine Abhandlung veröffentlicht, in der jedoch blos der babylonische Talmud und zwar besonders die Art und Ursache seines Abschlusses in Betracht genommen wurde. Vorliegende Schrift — in der übrigens jene Abhandlung, in welcher auch auf die in ihr besprochenen Fragen manches Streiflicht fällt, einer Erwähnung nicht für wert gehalten wird — dehnt den Gesichtskreis der Untersuchung weiter aus, indem nämlich auch Mischna und Tosefta, Baraita und Midrasch einer kritischen Prüfung unterworfen werden. Dem Verfasser ist es allerdings nicht darum zu thun, den speziellen literarischen Charakter und die besonderen Eigenschaften dieser Werke darzustellen, aber es ist eine Frage, die sie alle betrifft, in Bezug auf die ganze altrabbinische Literatur zu stellen ist und bisher noch keine vollständige Lösung, ja nicht einmal eine tiefer eingehende Behandlung gefunden hat, die in seinem Buche eine endgültige Erledigung finden soll. Haben die Verfasser der verschiedenen Sammelwerke von Ueberlieferungen, Lehrmeinungen aus Schrittauslegungen der Gesezesf'orscher diese schriftlich der Nachwelt hinterlassen oder ist, wie man aus mancherlei Angaben schlieszen musz, dieser ganze Lehrstoff von ihnen nur in eine bestimmte Ordnung und Fassung gebracht, dessen Aufbewahrung aber nur dem Gedächtnisse der kommenden Geschlechter anvertraut worden? Und wenn lezteres angenommen werden müsste, wie kam es, dass man später dennoch sich dazu entschlosz, diese Jahrhunderte hindurch in Uebung erhaltene Lehrmethode aufzugeben und die Ueberlieferung zu einem festen Schriftgute zu gestalten? In genannter Abhandlung, in der diese Fragen nicht übergangen, aber auch in der Allgemeinheit, in der sie hier erhoben werden, nicht ins Auge gefasst werden konnten, wird auf Grund verschiedener in derselben gelieferten Beweise daran festgehalten, dasz in der Zeit der Tanaiten und Amoräer, in der das ganze weitschichtige Material des talmudischen Schrifttums geschaffen und zusammengetragen wurde, dennoch eine Literatur im eigentlichen Sinne des Wortes nicht vorhanden war und an eine schriftliche Fixirung desselben erst gedacht wurde, als äuszere Verhältnisse dazu drängten und das traditive Lehrverfahren unmöglich mehr fortgesezt werden konnte. Zu demselben Resultate gelangt auch der Verfasser, der gerade auf diesen Gegenstand seine Untersuchungen concentrirt und ihm eine viel umfassendere Behandlung zu Teil werden läszt.

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