Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- VII. (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 102)
- Language
- German
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98 Thora z. St.) für notwendig hält. Abraham b. David (bei Pinsker Lik. I. 211) erklärt נצה (dob 39, 13) geradezu durch אל הוצלה (Kropf). Abba Chanin erklärt demnach: er nehme den Unrat und den Behälter, in dem er sich befindet. Nach dieser Auffassung kann sich aber die biblische Vorschrift darauf, dasz blos der im Kropfe vorhandene Unrat weggeworfen werde, nicht beschränken; er ist vielmehr aus dem ganzen Körper des zum Brandopfer bestimmten Vogels zu entfernen und es musz dasselbe auch mit den Gefäszen, in denen er sich befindet, geschehen. Sifra hat daher richtig ניטל את הקורקבנין עמהfür נ' א' קורקבנה «n s wir haben demnach zwei Erklärungen: 1) Allg.: Kropf sammt dem Unrat, 2) Abba Chanin: Unrat sammt seinen Behältern. Eine dritte im Namen R. Ismaels mitgeteilte Erkiärung faszt בנוצתה in seinem Gefieder auf.(בנוצתה בנוצה שלה קודרה בסכין במין ארובה•) Rie Misckna nimmt ואתנוצתה au^ dessen Sinn sie auf sich beruhen läszt, und faszt Abba Chanin’s Worte so auf, als wenn nur die Eingeweidestücke, die beim Ausnemen des Kropfes mit abgerissen werden, weggeworfen werden sollten! Die Anname, dasz die Halacha auf dem Boden der Schriftdeutung erwachsen sei, bedarf indes doch insoferne einer Einschränkung, als auch Anordnungen und Entscheidungen der Synhedrien und maszgebender Autoritäten wie auch Volksbräuche, die zu einer religiös gesezlichen Bedeutung gelangt waren, Gegenstand der Tradition und daher auch schulmäszigen Studiums wurden. Wird ja in dem von dem Verfasser selbst angeführten Referate bemerkt, dasz die vom Synhedrium gefaszten Majoritätsbeschlüsse weithin als Norm (Halacha) zur Geltung kommen ומשם הלכה יוצאה ורווחת בישראל• Halacha’s, die nicht aus dem Schriftworte hervorgiengen, hat es schon zur Zeit, als die Synhedrien in voller Thätigkeit waren, gegeben. Die systematische Gruppirung der aus Tradition und Schriftdeutung bekannt gewordenen Lehrsäze und der dieselben betreffenden Controversen wie die Verteilung derselben auf sechs Sectionen hat aber wahrscheinlich zuerst in dem hillelitischen Lehrhause stattgefunden, aus welchem der Grundstock der Mischnah hervorgegangen ist. Dahin lautete auch, wie der Verfasser S. 12—14 zeigt, die gaonäische Tradition1). Unsere Mischna enthält 1J Die Hypothese, dass die kleinen Tractate von Manchen als eine 7. Mischna-Ordnung angesehen wurden, was auch durch die Zahl 700 (Chag. 14b) angedeutet sein soll, lassen wir auf sich beruhen. Diese stüzt sich wol auf eine nicht mehr erhaltene diesbezügliche Deutung der Schriftstelle חצבה עמודיה שבעה (Spr. 9, 1), wie denn in v. 4 das. ein symbolischer Hinweis auf den Talmud gefunden wird (s Chag. das.). Der Autor dieser Angabe scheint übrigens den Ausdruck משנה *u weiterem Sinne gefaszt und darunter die 7 Hauptwerke der Traditionsliteratur (Mischna, Tosefta, Bereschit rabba, Mechilta, Sifra, Sifre, [aus zwei Büchern bestehendj) verstanden zu haben (vgl. Hai. gedol. Ed Ven. 143b).