Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- VII. (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 100)
- Language
- German
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96 Menschensohn sehen, sizend zur Rechten der Allmacht u. s. w. gefunden und, da eben Vorwände gesucht wurden, als eine solche hingestellt1). Jesus wurde als Verführer verurteilt und zwar kam bei seinem Prozesse das in den talmudiscken Berichten erwähnte Verfahren, dasz zwei Zeugen im Geheimen die Aussagen belauschten, in Anwendung. In den Evangelien wird dieser Umstand nicht erwähnt, da überhaupt blos die dem Lehrzwecke derselben entsprechenden Momente des Prozesses angeführt werden Wenn nun noch eingewendet wird, dasz es den jüdischen Gerichten zu jener Zeit nicht zustand, Todesurteile zu fällen, so ist damit noch nicht erwiesen, dasz nicht durch einen Synhedrialbeschlusz Anklage bei dem römischen Landpfleger erhoben werden konnte. Das Verfahren gegen Jesu war nun in der That ein Unicum, wie es der Verfasser nennt, und wenn manche Regelwidrigkeit dabei vorgekommen ist, so ist dies eben daraus zu erklären, dasz Kaiphas und das von ihm constituirte Synhedrium eines unbefangenen Urteils in dieser Angelegenheit nicht fähig und in dem Gebrauch der Mittel, die ihnen zur Erreichung ihres Zweckes dienen sollten, nicht wählerisch waren. Mit Unrecht urigirt auch der Verfasser S. 58 den Ausdruck ברגל ^em Aus- Spruche R. Akiba’s (Synh. 11, 7). Hätte derselbe damit sagen wollen, dass eine Hinrichtung, der eine gewisse Publizität verliehen werden sollte, strikte am Festtage stattfinden soll, dann hätte sicherlich R. Jehuda auch den Einwand, dass an einem solchen keine Urteilsvollstreckung stattfinden dar!) erhoben. ברגל bedeutet hier im Allgemeinen: zur Festzeit, wobei natürlich vorausgesezt wird, dass eine Entweihung des Festes nicht stattfinden dürfe. — Für zu weit gehend halten wir auch die Folgerung S. 116, dass der Judenhass erst zur Zeit, als die Bibel in’s Griechische übersezt wurde, hervorgetreten sei und zwar hätten die Aegypter sich darüber verlezt gefühlt, dass der ägyptischen Nation im Pentateuche so oft in unehrenhafter Weise gedacht wird. Es kann dies höchstens für den Judenhass, insoweit er in der Literatur zum Ausdruck kam, in Anschlag gebracht werden. Thatsächlich war ja auch die Religionsverfolgung unter Antioches Epiphanes von demselben inspirirt. 8. Die erste Mischna und die Controversen der Tanaim, ein Beitrag zur Einleitung in die Mischna von Dr. D. Hoffmann, 8. 54 S. (Beiläge zum Jahresbericht des Rabbiner-Seminars in Berlin 1881—1882.) Dasz die Mischna des Patriarchen R. Juda, die den Text der talmudischen Erläuterungen bildet, das Produkt älterer gleichartiger Vorarbeiten ist und ganze Stücke aus den Halackasammlungen früherer Zeitalter ף Der Verfasser (S. 65) beruft sich auf M. Synh. 7, 5, wonach eine eigentliche Blasphemie (Gidduf) nicht vorlag, allein aus den Worten ,סך מגדף מיוחד שפשט ידו בעיקד (Sifre Deut. 221, c) geht hervor, dasz auch Aeuszerungen, die als ein Angriff auf die Ehre Gottes angesehen wurden, als solche gelten konnten.