Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- VII. (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 99)
- Language
- German
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95 zuweilen der wahre Sachverhalt bis zur Unkenntlichkeit entstellt und das gerade Gegenteil desselben für wirkliche Geschichte ausgegeben. Indem der Verfasser die Quellen, die solchen vagen Annamen zu Grunde gelegt werden, einer genauen Prüfung unterwirft und dabei festzustellen sucht, wie weit sie nach Maszgabe ihrer Glaubwürdigkeit und ihres wirklichen Inhalts beachtet zu werden verdienen, erschlieszen sich ihm manche Gesichtspunkte, von denen aus die Beziehungen, in denen im zweiten Jahrhunderte das immer selbständiger werdende Christentum zu der jüdischen Volksgemeinschaft, in deren Mitte es zuerst entstanden war, einerseits und andrerseits zur römischgriechischen Welt sich befand, viel richtiger erkannt und beurteilt werden können, als es bisher geschehen ist. Nach den Darlegungen des Verfassers (S. 44-36) wird es z. B. vollständig klar, dasz die Juden mit Unrecht beschuldigt werden, das Gerücht in Umlauf gesezt zu haben, dasz die Christen Menschenopfer darbringen, wie überhaupt alle Angaben über Verfolgungen, die die ersten Christen von den Juden erlitten haben sollen, tendenziösen Ursprungs sind und blos die Stimmung kennzeichnen, die in denselben zum Ausdruck gelangt ist (s. S. 73—95). Besonders gelungen ist der Nachweis, dasz die Nachrieht von der Teilname der Juden an der Christenheze in Smyrna und ihren Verlangen, dasz Polycarp einem Löwen vorgeworfen werde, sowol vom psychologischen Standpunkte aus als auch in Anbetracht der religionsgesezlichen Bestimmungen, die für die Juden geltend waren, als eine Erdichtung anzusehen ist. (s. S. 150 ff.) Der Verfasser versucht (S 43—72) auch darzuthun, dasz die Juden an der Kreuzigung Jesu ganz unbeteiligt gewesen seien und dasz die diesbezüglichen dürftigen Angaben des Talmuds, soweit sie nicht selbst als ein Reflex der christlichen Legende erscheinen, sich auf eine andere Persönlichkeit beziehen. Hierin können wir ihm nicht beipflichten. Es ist bereits in Jahrb. 5 S. 201 gezeigt worden, dasz die Bezeichnung 0יטרא p> (nicht: סיטדא) unler welchem Namen Jesus in der Tosefta (Sab. Ed. Luck. 11,15, Synh. 10, 11) erwähnt wird, dazu diente, ihn von dem älteren Jesus Sirach (בן □יךא)zu unterscheiden. Es ist wahrscheinlich, dasz dieselbe ursprünglieh בן סירטא lautete und daran die Sage sich knüpfte, dasz Jesus sich eine Schrift in das Fleisch hineingerizt habe, ohne Schmerz zu empfinden1) (s. Tosefta Sab. 1. c.; in den Talmuden, wie der Verf. S. 58 richtig bemerkt/ bereits weiter ausgeschmückt). Es widerstreitet dem Berichte der Evangelien nicht, wenn Tos. Synh. 1. c. angegeben wird, dasz Jesu als Verführer der Prozesz gemacht wurde, denn wenn das Synhedrium nur einen rechtlichen Vorwand suchte, um ihn zum Tode verurteilen zu köonen (Mat. 26, 59 u. Parallelst.), so konnte nur auf eine Zeugenaussage, welche ihn zu einem solchen stempelte, gerechnet werden. Die angebliche Gotteslästerung, die den Hohenpriester veranlaszte, die Kleider zu zerreiszen (ib. 65 u. P.) wurde erst in einer vor dem Gericht gethanenen Aueszerung: ihr werdet den קרע את בשרו באיזמל ולא הרגיש בשרו :7a חס ומו^ר .Vgi (‘ •בקריעת האיזמל מחמת קדושת השם בידו