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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1885-01-01 · VII. (1885) · page 89

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
VII. (1885)
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 89)
Language
German
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85 Denkkraft vereint, die an die höchsten Probleme der menschlichen Erkenntniss sich mutig heranwagt, und einem Scharfblick, der selten das Richtige verfehlt. Man kann ihm nicht grollen, wenn er in liebenswürdiger Offenherzigkeit seinen Anklagen und Vorwürfen, selbst gegen so gefeierte Personlichkeiten wie Maimonides und Abraham Ibn Esra, freien Lauf lässt; man weisz, dass sein strenger Wahrheitssinn, sein edles Gerechtigkeitsgefühl, ein Freimut, der von persönlicher Eitelkeit ebenso weit entfernt ist wie von ängstlicher Rücksichtnahme auf die allgemeine Meinung, seine Feder führt. Luzzatto hat den Mut des Glaubens, aus welchem er kein Hehl macht, da er mit vollem Bewusztsein und in der festesten Ueberzeugung sich zu ihm zu bekennen vermag, aber er hat ebendeshalb auch den Mut der Kritik, die gerade dadurch, dasz sie Haltloses und Unerwiesenes beseitigt, der Wahrheit einen festeren Boden verschafft und ihr eine auf Thatsachen des Geistes und der Geschichte beruhende positive Grundläge sichert. Diese selbständige eigenartige Betrachtungsweise Luzzatto’s, die sowol iu der Auffassung geschichtlicher Entwickelungen wie in der Beurteilung der Leistungen seiner Zeitgenossen ihn leitet, giebt besonders in diesen Briefen, von welchen die wenigsten für die Oeffentlichkeit bestimmt waren, sich zu erkennen. Sie gewähren uns einen vollen Einblick in seine Denkweise wie auch in den Gang seiner literarischen Thätigkeit. Sie sind zumeist wissenschaftlichen Inhalts und lassen an jedem Gegenstände, der in ihnen behandelt wird, den feiuen Geschmack, die scharfe Beobachtungsgabe, die klare Auffassuugsweise und das vorurteilsfreie Urteil Luzzatto’s erkennen, welche Eigenschaften mit der Zeit noch durch die immer mehr sich ausbreitende Belesenheit und die Hilfsmittel, die der Erwerb seltener Handschriften ihm darbot, unterstützt wurden. Es war ein Glück für Luzzatto, dass solche handschriftliche Schäze, aus welchen der jüdischen Wissen- Schaft eine ungeahnte Bereicherung erwachsen sollte, sich ihm erschlossen. Es darf auch für die Manuscripte als ein Glück angesehen werden, dass sie in die Hand eines Mannes kamen, der sie mit unvergleichlichem Kennerblick zu lesen verstand und auch unermüdlich bereit war, ihren Inhalt allgemein zugänglich zu machen. Manches kostbare Erbstück vergctngener Jahrhunderte hat er selbst der OeffeDtlichkeit übergeben, aber auch sonst teilte er seine Gaben unermüdlich den Forschern aus, die nach ihnen verlangten. Auch in diesen Briefen befinden sich viele Beschreibungen handschriftlicher Werke und Mitteilungen aus denselben, die er Zunz, Dukes u. a. geliefert, zumeist von seinen trefflichen Bemerkungen und Nachweisen begleitet. Es ist ein Stück Entwickelungsgeschichte der modernen jüdischen Wissenschaft, das uns in denselben vor Augen gestellt wird Es wäre sehr verlockend, die zallosen anregenden Bemerkungen und wissenschaftlichen Mitteilungen, die in diesen Briefen enthalten sind, weiter zu verfolgen, doch ist dies eine Aufgabe, die sich in einem Referate nich kurzweg erledigen lässt. Manches, wie z. B. die Kalir-Frage und andere

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