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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1885-01-01 · VII. (1885) · page 43

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
VII. (1885)
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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39 Für dieses todeswürdige Verbrechen, meinten nun die Ratgeber bei Hofe, müsse an den Juden unerbittliche Rache genommen werden. l)er König entschloss sich nun, am morgigen Tage wiederum das Judenviertel zu passiren und wenn die Juden ihm entgegenkommen, sich durch dieOeffnung der Gehäuse zu überzeugen, ob Marcus’ Angaben der Wahrheit entsprechen. In der zwischen beiden Tagen liegenden Nacht wurde ein frommer Synagogendiener, Ephraim, in einer Vision von einem Manne aufgefordert, eiligst in die leeren Gehäuse die Torarollen hineinzustellen, aber dies Niemandem zu verraten. Eine gleiche Eingebung erhielten auch die Diener der anderen eilf Synagogen und sie vollführten diesen Auftrag, ohne dass jemand etwas davon erfuhr und ohne dass sie auch nur untereinander wussten, was jeder von hnen gethan hatte. Am nächstfolgenden Tage (dem 17. Schebat) kam nun wirklich der König, begleitet von Marcus und einem grossen Gefolge von Bewaffneten1), die den Auftrag hatten, gegebenen Falles auf die Juden loszuschlagen, in ihr Quartier. Als sie ihm nun die übliche Aufwartung machten^ drückte er den Wunsch aus, einmal die Tora zu sehen, die die Lehre des Gottes enthalte, in dessen Namen sie ihn segnen. Dieser Wunsch verursackte natürlich grossen Schrecken unter den Juden, aber zu ihrem Erstaunen war Alles in bester Ordnung. Die Juden wurden hierauf mit freundlichen Worten bedacht und erhielten einen dreijährigen Steuererlass, Marcus aber als Verläumder hingerichtet. Seitdem wurde dieser Tag in Saragossa von Jahr zu Jahr nach Art des Purimfestes gefeiert2). In dieser Erzälung sind, wie man bald erkennt, Geschichte und Sage mit einander vermischt; im Wesentlichen muss sie indess wahrheitsgemäss sein, da an das Ereignis ein freudiger Gedenktag sich ankuüpft. Es werden auch bestimmte Daten angegeben, die aber, da sie mit einander nicht übereinstimmeu, erst richtig gestellt werden müssen. Zuerst wird berichtet, dass dieser Vorfall im zwölften Regierungsjahre des Königs sich ereignet habe (׳(וכך היו עושים עד שנה שהים עשרה למלך שארגושאנום dann aber, wo von dem Ausgang desselben berichtet wird, derselbe auf den 17. Schebat im 16. Regierungsjahre desselben und zwar a. 5180 a. m. (= 1420) angesezt Der König, von den! hier die Rede ist, kan 11 kein anderer als Alphons V. sein, der 1416 den aragonischen Thron bestieg. Dann konnte aber dieses Ereignis weder im 12. noch im 16., sondern nur im 4. Jahre seiner Regierung stattgefunden haben. Ohne Zweifel ist nur eines jener beiden Daten das richtige. Dass in der Copie oder schon in der Pergamenturkunde, aus ׳) Auszer der Leibgarde (וכל חיל המלך הולכים אהרייהם מזוינים בכל כלי נשק) waren noch 300 christliche Knappen (□ושלש מאות נערי הנוצי־יי) in diesem Gefolge 2) Aus dieser Quelle stammt auch die Darstellung in Ad. Brüll’s Populärwissenschaftl. Monatsbl. Jakrg. 4, S. 52—54, vgl. auch den Bericht der Alliance isr. univ. das. S. 210. L. Aug. Frankel (Nach Jerusalem II, 248 vgl. Wiener in הנשך IV p. 119) erwähnt den Fasttag.

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