Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- VII. (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
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35 Krakau eine besondere Gemeinde gründeten1 2) dorthin gefolgt ist und in ihrer Mitte ein rabbinisches Lehramt bekleidet hat. Sicherlich hat er zunächst hier dem Studium des Talmuds, das bis zu j<men Zeiten in Polen und Russland fast gar nicht betrieben worden war, Eingang verschafft und Jünger herangebildet, die dasselbe nachher in den dortigen Gemeinden verbreiteten und heimisch machten. Was seinen talmudischen Vorträgen eine besondere Anziehungskraft verlieh, war die in haarspaltende Distinctionen auslaufende Behandlung der halachischen Themata, die dem Scharfsinn einen weiten Spielraum eröffnete und es möglich machte, aus dem dargebotenen Lehr- Stoffe die verschiedensten Combinationen herzustellen. Die Einführung dieser Methode, die mit der Zeit in der polnischen Talmudistenschule vorherrschend wurde, wird mit Recht Jakob Pollak zugeschrieben. Er war überhaupt der erste, der talmudische Gelehrsamkeit nach Polen verpflanzte und wenn dort auf dem Gebiete desselben eine neue Richtung hervortrat, so kann kein anderer als er als der Schöpfer derselben angesehen werden. ־) Jakob Pollak hat es grundsäzlich unterlassen, ein Buch zu schreiben oder auch von den schriftlichen Gutachten, die er auf Befragen erteilte, Copien aufzubewahren3), weil er wahrscheinlich dialektische Auseinandersezungen, die sich noch nach vielfacher Richtung hin vermehren und weiter ausführen Hessen, der Veröffentlichung nicht für wert hielt. Eine Charakterisirung seiner Lehrmethode kann daher, soweit sie nicht auf die dürftigen directen Nachrichten, die über dieselben gegeben werden und auf die allgemeine Betrachtung der in polnisch-jüdischen Kreisen herrschend gewordenen Richtung sich sttizt, nicht einmal versucht werden. Das Wenige, das von Späteren in seinem Namen mitgeteilt wird, lässt ihn mehr als einen Nachzügler der mittelalterlichen deutschen Schule, denn als einen Dialektiker nach Art der polnischen Talmudisten erkennen4). Pollak unternahm etwa ג) Zunz a. a. 0. p. 14. Es wird zwar im J. 1519 R. Perez als Rabbiner derselben bezeichnet, allein es war damals nichts seltenes, dass zwei Rabbinen gleichzeitig in einer und derselben Gemeinde fungirten. 2) In Z. D. 1. c. wird dies als allgemein verbreitete Anname hingestellt. (ואומרים שהוא וכ׳)• Dass diese Richtung in Polen vorherrschte, bezeugt auch Josef dei Medigo (Mazref 20b): ובפרט במדינה פולין שכלה הזמן כולו בחלוקים• 8) Israel b. Schachna in Resp. Mose Isserls No. 25. 4) Die wenigen Stellen bei Späteren, in denen Jakob Pollak citirt wird, sind zumeist bekannt, vgl. Zunz ges. Schriften 3, S. 85, Straszun a. a. 0. p. 328, Halberstamm in Kobak’s Jeschurun 5 hebr. Teil p. 157, J. M. Zunz a. a. 0. Anh. p. 43, Jahrb. I S. 109. In זכי־־ון משה von Mose b. Sebulun Elieser (angeführt in □46 ברכות המי a vgl. 96 ס' שמוח und נחלת שבעה Ed. Fürth 104 a) wird eine Ehescheidungsurkunde, die er an den Rabbinen R. Perez nach Prag geschickt, erwähnt. Auch der von Joselmann Rosheim (bei Juspa Hahn, Josif Omez No. 482) angeführte רי״ף scheint R. Jakob