Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- VII. (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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6 pharisäisches Gepräge annam. Ein die Rechtfertigung der als mündliche Lehre überlieferten Auslegungen bezweckender antisadducäischer Tractat konnte daher am Ehesten demselben angefügt werden und es bleibt nur noch zu untersuchen übrig, in welcher Zeit schon vor R. Juda dessen Einreihung in die Mischnasammlung stattgefunden hat. Es wird zu diesem Zwecke nötig sein, die ursprüngliche Textesgestalt dieses Tractates sowie den Inhalt und Umfang, den er in erster Anlage hatte, durch Kenntlichmachung der in weiterer Ueberarbeitung hinzugekommenen Aussprüche wie auch sonstiger Zusäze und Einschal־ tungen, die noch später hineingetragen wurden, nachzuweisen. Frankel, der den ersten Abschnitt vollinhaltlich als älteren Bestandtheil des Tractates an sieht und ״die eigentliche d. i. von Rabbi redigirte Mischna mit 2, 8“ beginnen lässt*), bezeichnet auszer dem 5. Abschnitte als ״grössere Zusäze“ 2, 1—8, 4, 15 bis Ende des Abschnitts, als ״kleinere Zusäze“ 3, 2 von ר' חנינא בן תח־־יון bis 3, 5, ferner 3, 6, den anderen Theil von 3, 7; 3, 8, den ersten Theil von 4, 4; dann 4, 5, 7, 8, 9* 2). Als Kriterien gelten ihm 1) die Nennung von Autoren, die einer späteren Zeit als der des Mischnaredacteurs angehören, 2) die Anführung eines Lehrspruchs des Sohnes neben dem des Vaters und 3) der Einfluss der Namensähnliehkeit. Es wird sich bei einer Auseinanderlegung der verschiedenen Schichten und Bestandteile, die hier ineinandergeschoben sind, und der dabei erfolgenden Reconstruction des Urtextes zeigen, inwieweit von diesen Annamen Gebrauch gemacht werden kann. Es stellt sich zunächst als sicher heraus, dass nicht nur 2, 1—8 dem ursprünglichen Texte fremd waren, sondern auch 1, 16—18 früher an einer anderen Stelle sich befanden. Die Traditionskette, die im ersten Abschnitte (12—16) mit Hillel und Schammai schliesst, wird erst 2, 8 wieder aufgenommen und zugleich auch, nachdem alle die der zweiten Tempelperiode angehörenden Synhedrialhäupter namhaft gemacht wurden, beendet. ״Hillel und Schammai haben von den Vorgenannten die Lehre übernommen“ (1, 12), R. Jochanan b. Sakkai י) A. a. 0. S. 425. 2) Das. S. 429.