Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- VII. (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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4 Autorität der Tradition musste doch, wenn man sich mit Erfolg auf sie berufen wollte, auch irgendwie beurkundet werden. Die Sadducäer, die dieselbe bestritten, waren zwar nach der Zerstörung des Tempels so ziemlich in den Hintergrund getreten, aber ihre Anschauungen hatten noch lange nicht allen Boden verloren und in der Schriftdeutung wird selbst zur Zeit R. Akibas darauf geachtet, Auslegungen in sadducäischem Sinne zu beseitigen. Es musste namentlich den Sadducäern gegenüber dargethan werden, dass die pharisäische Tradition bis zu Mosen, der die Lehre beim Sinai empfangen, zurückreicht und eine continuirliche Vererbung derselben von Geschlecht auf Geschlecht stattgefunden hat und zwar so, dass darin nie eine Unterbrechung eingetreten ist. Dies geschah nun, indem man eine Liste der Tradenten entwarf, die mit Moses begann und bei den letzten zeitgenössischen Trägern der Ueberlieferung aufhörte. Da nun von manchen der sopherischen Tradenten nicht viel mehr als der blosse Name sich erhalten hatte, wurde gleichsam zur Documentirung ihrer Lehrthätigkeit von jedem der hier genannten Männer ein in ihrem Namen überlieferter Weisheitsspruch mitgeteilt. Dieses Material bildete den Kern und die Grundlage des später mannigfach erweiterten Tractates Abot, der dem Glauben an den sinaitischen Ursprung der Tradition zur Stüze dienen und die Autorität der Halacha beurkunden sollte. Dass es in demselben hauptsächlich bezweckt wurde, die mündliche Lehre direct bis auf Mosen zurückzuführen, ist gleich aus dem ersten Saze (I, 1) zu ersehen. ״Moses empfieng die Lehre vom Sinai und überlieferte sie dem Josua.“ Hier kann unter תורה (ohne den Artikel) nur mündliche Lehre verstanden werden, da der geschriebene Pentateuch nicht erst Josua und in der weiteren Folge den Aeltesten und Propheten überliefert werden musste.1) Es ist selbstverständlich, dass auch zu קבל in den folgenden Säzen immer תורה als Object hinzuzudenken ist. Was nämlich dieser Name in sich fasst, alle Gesezeslehre, ף Mit dem Worte תורה wurde der halachische Midrasch bezeichnet (s. Jubelschrift zum 90. Geburtstag des Dr. L. Zunz, S. 101, A. 36.)