Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- V. und VI. (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 205)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2418846-2418859--1111-2420002- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
201 Deutungen richtig und wahrheinlich gemäsz seien (S. 47) hätte der Yerf. den Umstand besonders in’s Auge fassen müssen, dass die Rechtfertigung der Tradition gegenüber den Sadducäern die midraschische Deutungsmethode längst zur Notwendigkeit gemacht und eine practische Auslegung des Gesezes mittelst derselben daher für richtig und möglich gehalten wurde. In treffender Weise wird S. 54 die Glossolalie am Pfingstfeste mit zu der talmudischen Haggada von dem bei der Offenbarung am Sinai in allen Sprachen wiederhallenden Gottesworte in Beziehung gebracht. — Dass der Ausdruck ״mündliche Lehre“ dem römischen Rechte entnommen sei (S.65) ist völlig abzuweisen. Derselbe diente ursprünglich zur Bezeichnung der neben dem verlesenen Schriftworte mündlich vorgetragenen Erläuterungen, der midraschischen Auslegung, die in den Schulen hebräisch, in den Synagogen aramäisch tradirt wurde. Auf diese bezog sich ursprünglieh auch das Verbot der Niederschreibung (vgl. zu Schemot rab. c. 47 Tauchuma Wajera No. 5 הרו חרגו□ שנתן על פח)• Unter חותה שבעל פח verstand man nicht die Tora, die mündlich ü b e r 1 i e fert wurde, sondern die mündlich vorgetragen wird (vgl. betreffs des Ausdrucks M.Meg. 2, 1 ,קראה יעל פך)• Die weitere Entwickelung dieses Begriffes kann hier nicht dargelegt werden, doch ist noch daran zu erinnern, dass קבלה *ü denS.96A. 1 angeführten Stellen nicht ״Tradition,“ sondern: Reception d. i. in den Kanon aufgenommenes Schriftthum bedeutet (vgl. Jahrb 3 S. 158). — Die Vermutung, dass in j. Synh. 10, 1 בן סירא a^s eifle aus בן סטדא entstandene Corruptel anzusehen sei (S. 74) hat Vieles für sich, obzwar der Babylonier R. Josef schon nach der recipirten LA. sich gerichtet zu haben scheint (Synh. 100 b). Der Name Jesus Sirach scheint auch zu der hier vorliegenden Confusion beigetragen zu haben, wie denn in späterer Zeit Sagen von der Kindheit Jesu auf Ben-Sira übertragen wurden (vgl Jellinek B.h.M. b. Einl. p. XI ff.).1) Der Ursprung der Bezeichnung בן 160 סיטרא lautet dieser Name in Tos. Sab. 12 in der alten Ausgabe) die vielleicht auch eine Umlautung des griech. öwt•^ (Erlöser) darstellen soll, mag darin liegen, dass Jesus durch dieselbe von Jesus סירא D unterschieden werden sollte. Sicherlich muss in j. Synh. 1. c. dann auch סיריא G ספר für ספרי המירם gelesen werden, da auch Tos. Jadajam II. die Zusammen- Stellung ספר בן סירא וכל ספריס ובי hat* von ספרי המירס ist m der talmudischen Halacha somit nirgendswo die Rede; dieselben werden nur von den Sadducäern spottweise in die Discussion eingeführt und sind da- U Ein Evangelium von der Kindheit Jesu, worin dieser, das Alphabet auslegend, dargestellt wurde, scheinen bereits die Gnostiker in der Mitte des 2. Jahrhunderts gekannt zu haben (s. Neander, genetische Entwickelung der gnostischen Systeme S. 186).