Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- V. und VI. (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 199)
- Language
- German
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— 195 — in den Ländern des Chalifats und im maurischen Spanien vorkam, wo die Juden ihr Wissen aus den allgemeinen Bildungsquellen schöpften, hat hier überhaupt nicht stattgefunden Von diesen richtigen Gesichtspunkten aus entwirft der Verf. in vorliegendem Werke eine mit vielem interessanten Detail ausgestattete Dar- Stellung der Culturzustäude und literarischen Bestrebungen , die in der deutsch-französchen Judenheit im Laufe des Mittelalters zu Tage getreten sind. Ob in der Beurteilung derselben und bei der Ausschau auf das auszerjüdische Gebiet immer die strenge Objectivität bewahrt wurde, wollen wir nicht näher untersuchen. Wenn z. B. (S. 20) durch einen Concilsbe- Schluss den Laien das Lesen der alten testamentlichen Schriften untersagt wird, währenddem die Schriftforschung unter den Juden in Blüte steht, so ist dies daraus zu erklären, dass die Kirche durch diese Maszregeln häretischen Anschauungen vorzubeugen suchte, in jüdischen Kreisen hingegen nicht zu besorgen war, dass durch das Bibelstudium solche hervorgerufen werden. Dass auch die Geistlichen im Allgemeinen nur eine ״dürftige Alltagsbildung besaszen,“ ist damit nicht bewiesen. Da für uns der Hauptwert des Buches in der positiven Vermehrung des geschichtlichen Wissens, die dasselbe darbietet, besteht, und woi auch dem Verf. es auf diese zumeist ankam, so wollen wir, von hie und da zu weit gehenden Reflexionen absehend, blos die Resultate, die sich dem Verf. aus einem ausgebreiteten Quellenstudium, das auch über ungedruckte Schriften sich erstreckte, ins Auge fassen. In Kap. 1 werden Bildungszustand und Lehrthätigkeit, wie auch die socialen Beziehungen der Juden Frankreich^ während des II. und 12 Jahrhunderts in eingehender Weise in Betracht genommen. S. 12 A schlieszt der Verfasser aus einigen Aeuszerungen Abraham b. David’s, dass man in der Provence auf die Leistungen der Nordfranzosen mit Geringschäzigkeit herabsah. Bekanntlich spricht sich derselbe über seine Fachgenossen, an denen er Kritik übt, überhaupt nicht sehr schonend aus. und kann daher jene Geringsehäzigkeit nur ihm allein zur Last gelegt werden. Hin eigentliches Urteil über die vielfacher Berichtigung bedürftigen Erläuterungen der Franzosen liegt in den Worten סיי״וש' הצרפהים שצריכים הקונים והקוני הקונים (Temim Dein! 241, Ed. Ven. 68 b). in identificirten אגרון 'D wurde bekanntlich in neuerer Zeit ein Fragment aufgefunden. Dasselbe wird hier vollständig mit genauer Collation der der vorhandenen Copien und mit deutscher Uebersezung und Einleitung edirt Die Attribute הבאה והמצאה (V. 19 s. 8. 20) gehören viell. zu לשינות (untergegangene und neuentsteheude, d i. alte und neue Sprachen), מהו עד תו ist soviel als: buchstäblich, Wort für Wort. 13*