Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- V. und VI. (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 185)
- Language
- German
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181 20. Zur Geschichte der mathematischen Wissenschaften im XII. Jahrhundert. Abraham Ihn Esra, von Dr. Moriz Steinschneider. Berlin 1880. S. 57-128. 21. Abraham Ihn Esra als Grammatiker von Prof. Dr. Wilhelm Bacher, Budapest 1881 (Jahresber. der Landes-Rabbinerschule). 8. 190 S. Dem unsteten Wandertriebe Ibn Esra’s entsprach auch die Beweglichkeit seines geweckten Geistes, mit der er auf den verschiedenstenWissensgebieten sich heimisch machen, aber auch sich nie recht dazu verstehen konnte, jedes innerhalb seiner Grenzen zu bearbeiten und Abweichungen von einem in das andere zu unterlassen. Hebräische Sprachwissenschaft* Grammatik und Exegese sind seine Domäne, daneben treibt er Theologie, Chronologie und Dichtkunst und fast jede seiner schriftstellerischen Productionen lässt es erkennen, dass alle diese Wissenszweige von ihm gepflegt werden. Ibn Esra, der nie zwei Pfennige in der Tasche hatte,1) hat den Vorrat seiner reichen und vielseitigen Kenntnisse stets zur Hand, weiss über jeden Gegenstand, der in dem Bereiche seiner Studien liegt, sich ein klares und sicheres Urteil zu bilden und besizt eine Schreibfertigkeit, die mit seinen Denkoperationen nach jeder Richtung hin stets gleichen Schritt hält, aber in der Ungebundenheit, in der er sich gefällt, zieht er es vor, ihnen freien Lauf zu lassen, mehr der momentanen Anregung zu folgen, als seine Untersuchungen einem aus der Natur derselben abzuleitenden Systeme zu unter ordnen und sie zu einem grossen Ganzen zu gruppiren. Er hat es den Lesern seiner Schriften schon recht schwer gemacht, indem er auch da, wo er es nicht beabsichtigt, in Rätseln zu sprechen und seine Meinung vorsichtig zu verhüllen pflegt, sich der knappsten Ausdrucksweise befleiszigt und die Voraussezungen , auf die er seine Behauptungen stüzt, nur in Kürze audeutet oder völlig verschweigt, wol auch mit einer wizigen Anspielung sich genug deutlich gemacht zu haben glaubt. Will man nun seine Leistungen überschauen, seine Aeuszerungen über einen Gegenstand kennen lernen, so muss man, da er in den Schriften, die sich auf ein bestimmtes Thema beziehen, nicht Alles dazu Gehörige auszusprechen pflegt, sich dazu bequemen, sich in allen seinen Werken nach solchen umzusehen und das zerstreute Material zusammenzufasseD. Hinsichtlich der theologischen Untersuchungen Ibn Esra’s ist eine solche Arbeit bereits von N. Krochmal versucht aber nicht vollendet worden. Die beiden uns vorliegenden Abhandlungen reihen sich derselben insofern an, als die eine eine Uebersicht seiner Leistungen auf dem Gebiete mathematischer Wissenschaften liefert und in der anderen ״ein Gesammtbild seiner Ansichten nnd Lehrmeinungen zur hebräischen Grammatik“ dargeboten wird. *) Ephodi Grammatik S. 23.