Mannheim
Compact Memory

Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1883-01-01 · V. und VI. (1883) · page 107

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
V. und VI. (1883)
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 107)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2418846-2418859--1013-2419904
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

103 Motiv erborgt, auf welches hin dieser zu einem Werk der Frömmigkeit gestempelt werden kann, Eingang in die Gebetbücher fand, so wird dies nur dadurch erklärlich, dass man in dem in das Gewand der heiligen Sprache eingekleideten Poem den Schalk nicht erkennen mochte, der sich auf diesem Wege in die Herzen hineinzuschleichen suchte. Sicherlich ist das Tischlied für den Chanukasabbat, dessen Eingang (אכלו משמנים וסולת רבוכה) schon darauf schliessen lässt, dass der Verfasser nicht gerade zu den büssenden Asceten gehört hat und das noch mehr in dem Refrain (האי האי כיח כור תמכור תחכוד לשכור בית כור לצורך חנכה) den Naturlaut eines dem Tafelgenusse fröhnenden Herzens wiederklingen lässt, blos aus Versehen in manche alte Gebetbücher aufgenommen worden. Es gehört entschieden nicht der religiösen Poesie an, es giebt sich vielmehr nach Ton und Inhalt als ein Zechlied zu erkennen. In möglichst wortgetreuer Nachbildung lautet es folgendermassen : Lasst heut’ das Mal Euch schmecken, Süss Mehlwerk gebacken fein! Mit Braten den Tisch Euch decken, Chanuka-Sabbath muss es so sein! Was da ist in Feld und Haus, Verkaufs und schaff’ nur Geld herbei; Geld verbrauch’ zum reichen Schmaus, Der giebt dem Fest die rechte Weih’. Die Kapaunen gemästet Gebraten am Spiess Am Feuer geröstet So einen geniess’. Was da ist u. s. w. Die gute fette Speise Die Kuchen so süss, so frisch, Mit lautem Amen preise Solch einen leckeren Tisch. Was da ist u. s. w. Schweigt mir vom Wasser, Das dem Brunnen entquillt; Der Wein ist sein Hasser Der den Durst uns heut’ stillt. Was da ist u. s. w. Lasst dem Wasser seine Flut, Mag rauschen sie im Quellengrund; In Strömen fliess nur Traubenblut, Danach wässert uns der Mund. Was da ist u. s. w.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.