Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- V. und VI. (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 106)
- Language
- German
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102 eine in der Elieser-Boraita (c. 49) enthaltene, einem R. Secharja in den Mund gelegte Äuszerung hinzuzufügen, welche einen nicht unwichtigen Beleg für die Identität des in der Mischna erwähnten Ben-Sakkai mit dem Daniel des Susannabuches (s. Jahrb. das. S. 47 u. 64) darbietet. Durch Daniel, heisst es da, der der Memuchan des Esterbuches ist, sei es bewirkt worden, dass Ester das Königtum erlangte. Er habe Ahasverus, der die Verstossung Waschti’s unter Thränen bereute, das Rechtmässige dieses Verfahrens gegen dieselbe nachgewiesen. Daniel sei hier der ״Reine“ gewesen, durch welchen ״Reinheit“ zu Stande gebracht, ein heilbringender Erfolg herbeigeführt wurde (מגלגלין זכות ע״י זכאי >ע"י דניאל שהיה ממוכן נתגלגל המלכות על אסתר)• Ist schon damit, dass Daniel hier als juridischer Ratgeber des Königs und besonders als Anwalt für Ester erscheint, ihm eine Rolle zuertheilt, die derjenigen, welche er als Fürsprecher für Susanna einnimmt, ziemlich ähnlich ist — es handelt sich in beiden Fällen um das Königtum einer jüdischen Frau — so ist es bei der ausdrücklichen Be- Ziehung des Eigenschaftswortes זבאי auf Daniel in dem vielfach anders angewendeten Ausspruche fast gar nicht zu verkennen, dass diese Be- Zeichnung für Daniel nicht unbekannt war. Er galt als der ״Reine,“ Schuldfreie (3 זכאיrt&oioq s. Jahrb. a. a. 0. S. 64), und wenn in der Mischna anstatt seines Namens die fingirte Benennung בן לבאי gebraucht wurde, so wussten die Kundigen, wer mit derselben gemeint sei. Seltsam contrastirt zu der Identification Memuchan’s mit Daniel die talmud. Anname, dass M. nur ein anderer Name für Haman sei (Megilla 12 b). Für D. wird indess im Kreise Ester’s doch ein Plaz frei gelassen, es soll nämlich Hatach kein anderer als Daniel sein (ib. 15a Midr. zu Est. 4, 5.) Dass die Frau des Nebucadnezar — d. i. Susanna — eine Jüdin war, weiss auch Elmacin (s. Kobak’s Jeschurun d. Th. 8. S. 25). VI. Ein verpöntes Chanukalied. Es ist ein seltenes Vorkommniss, dass ein weltliches Lied sich in ein Gebetbuch hineinverirrt; um so befremdlicher erscheint es, dass ein solches in einer Reihe jüdisch-religiöser Dichtungen des Mittelalters einen Plaz finden konnte, zumal in Deutschland, wo jene Art von Poesie fast gar nicht gepflegt worden ist. Weun es geschehen konnte, dass ein Gesang, der zu reichem Tafelgenusse auffordert und von der Religion blos das