Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- V. und VI. (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
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72 auf Saadja und nicht auch auf Bachja beruft (ib. II. 4), kann nicht mit Sicherheit darauf geschlossen werden, dass er das Buch der Herzenspflichten nicht gekannt habe. Wol aber darf Bachja als ein jüngerer Zeitgenosse Gabirols angesehen werden, da Ibn-Ganach für ihn zu den Männern der Vergangenheit שהיו אחר אנשי [arab. עיינתי בספרי הקד מ נים [אואילנא התלמוד •) und daher natürlich auch zu den Verstorbenen gehört (s. d. arab. Text bei Kaufmann Theologie d. Bachja S. 5), dieser aber sicherlich noch ein Zeitgenosse Gabirols war, da Ibu Esra in der chronologischen Aufzählung der Grammatiker lezteren gleich nach demselben und vor Samuel b. Nagdila nennt. Ausdrücklich bezeugt es Salomo Parchon (Vorr. zu Machberet Ed. Stern p. XXII) dass Gabirol mit beiden zu einer Zeit gelebt habe. Dies würde die Annarne, dass eher Bachja die Schriften Gabirols als dieser das *Buch der Herzenspflichten gekannt habe, hinlänglich begründen, selbst wenn man Jehuda Ibn Tibbons Angabe, dass die Gabirol’sche Ethik den Inhalt des Bachja’schen Buches — nach Abzug der 1. Pforte — und noch mehr darbiete, dahin verstehen wollte, dass sie von ihm als ein jüngerer Auszug desselben angesehen wurde.*) Diese Charakterisirung des Buches ist übrigens nichts weniger als zutreffend und beweist nur, dass Gebirol’s Ethik zur Not als Ersaz für das umfang־ reichere Werk Bachja’s angesehen wurde, und Tibbon eine dritte Schrift ähnlicher Art in der jüdischen Literatur nicht bekannt war. Dass Bachja Gabirols Buch nicht nennt, erklärt sich daraus, dass dasselbe ihm das nicht war, was er unter einer Lehre von Herzenspflichten sich dachte. Gabirol hat nur eine philosophisch-ethische Abhandlung über die psychischen Qualitäten geschrieben, aber sie ist keine Anleitung zu einem gottesdienstlichen Leben, zu einer dem tradirten Religionsgeseze entsprechenden Erfüllung der Pflichten gegen Gott} die durch das Herz ausgeübt werden. Auch die Parallelen, die *) Brief im Katalog d. Michael’schen Bibliothek S. 366. vgl. Oz. Nechmod I. 113, II. S. 98; d. Übersezung des ppp! erwähnt Tibbon auch in Vorr. zu Rikma p. II.