Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- V. und VI. (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 69)
- Language
- German
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65 ältere genealogische Nachricht über David Vorgelegen oder auch nur als dunkle Erinnerung vorgeschwebt haben, dann wäre doch zu erwarten gewesen, dass auch der Chronist, der doch über die Nachkommen Jehudas vielfache, aus alten Quellen geschöpfte Kunde hat, von derselben etwas gewusst und eine Spur derselben aufbewahrt hätte. Oder wurde hier aus der Wahrheit ein Geheimniss gemacht? Die kurzen Angaben in den Genealogien der Chronik geben oft viel zu raten. Eine solche, bei welcher geradezu bemerkt wird, dass Wesentliches verschwiegen wurde, leitet uns hier auf die rechte Spur. Mit etwas Geheimthuerei behandelt der Chronist das Verzeichniss der Nachkommenschaft Schela’s (l.Chr.4,21 —24). Er schlieszt die Reihe der Namen mit der Bemerkung, dass ״die Dinge entrückt,״ d. i. der Oeffentlichkeit entzogen wurden und daran nichts mitgetheilt werden könne (והדברים עתיקים). Es muss eine nicht unwichtige Nachricht gewesen sein, die hier mit Absicht gestrichen wurde. Der Mann, den man durchaus nicht als einen Angehörigen des Geschlechtes Schela gelten lassen wollte, muss auch für die spätere Nachwelt noch von hervorragender Bedeutsamkeit gewesen sein. Raten wir! Ein Mann aus dem Stamme Jehuda, der in so hohem Ansehen in der Erinnerung des Volkes stand, dass man noch zur Zeit des Chronisten Nachrichten über ihn zu beseitigen suchte, die Ungünstiges über ihn aussprachen. Das kann doch wol kein anderer »als David sein? David war also kein Perezite, wie das Buch Rut es darstellt und der Chronist es nachschreibt, sondern wie eine ältere Quelle von kenntlich historischem Charakter es andeutet, ein Angehöriger des Geschlechtes Schela. Unter dieser Voraussezung ergiebt es sich als sehr wahrscheinlich, dass 1 וישבי לחם. Chron. 4, 22 schon durch eine ältere Hand als die des Chronisten aus ולשי בבית לחם hergestellt wurde. Stand hier der Name des Betlehemiten Jisai, so schloss sich in dem Urtexte des in Rede stehenden Verzeichnisses demselben der Bericht über die Söhne Jisai’s an, der aber unter gleichzeitiger Unkenntlichmachung dieses Namens hier weggelassen und von dem Chronisten an der vermeintlich richtigen Stelle angebracht wurde. Der Grund, aus welchem 5