Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- V. und VI. (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
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56 nicht öffentlich und ungehindert auf israelitischem Gebiete seine Weissagung verkünden. Die Propheten, die Unheil verkündeten, waren, wie Hosea selbst berichtet, nicht gut gelitten (9, 8). Sollte es Hosea unter solchen Umständen nicht vorgezogen haben, der Strafrede, die er zur Zeit Jerobeams an Israel richtete, einen symbolischen Anstrich zu geben? Er spricht zwar auch von der Ahndung der Blutschuld Isreels, die an dem Hause Jehu’s sich vollziehen werde, ja sogar von dem Untergange des israelitischen Königtums (1, 4), aber bei Anknüpfung dieser Drohung an den Namen Jisreel, durch welche hauptsächlich betont wird, dass die ungesühnte Blutschuld die gerechte Rache nach sich ziehen muss, war dies weniger verfänglich. Dann war ein hartes Wort gegen die herrschende Dynastie uocli immer kein direeter Angriff auf die Person des Königs. Indem er für Israel das Bild des Buhlweibes gebraucht und von diesem in seiner Strafrede (2, 3 —17) spricht, ohne den Namen Israel zu erwähnen, konnte er das an ihn ergangene Gotteswort verkünden, ohne dadurch sich Verfolgungen auszusezen. Die Gewandtheit im Heranziehen von Vergleichen kam dem Propheten bei der Ausmalung dieses symbolischen Gemäldes wol zu Statten. Hosea hat auch hier noch keineswegs die Hoffnung auf eine Besserung Israel aufgegeben. Das Strafgericht, das er verkündet, soll nur ein zeitweiliges sein, ein Mittel, Israel zu Gott zurückzuführen und erneutes Heil für die Zukunft vorzubereiten. Er entwirft im zweiten Theile seiner Rede 16—25) [wozu 1—3 gehört] ein Bild des zukünftigen Wolergehens Israels, das diejenigen Hörer, welche etwa an seinen früheren Betrachtungen Anstoss nemen mochten, selbst mit den trüben Aussichten, die ihnen in denselben dargeboten wurden, zu versöhnen geeignet war. Nachdem nun auch der eigenartige Character der ersten Rede Hosea’s einigermassen erklärt ist, erübrigt es noch die in der Hosea ־ Schrift gesammelten Reden von einander abzugrenzen und die Zeit in der sie gehalten wurden, so weit es möglich ist, zu eruiren. Von der ersten Weissagung I, 2 bis II, 25 wissen wir bereits, dass sie