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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1879-01-01 · IV. (1879) · page 142

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
IV. (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 142)
Language
German
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135 seiner Bedeutung anzusehen ist, wie der Verf. (Vorr. S. VI) sich dabin ausspricht, wird man danach kaum annehmen können. Vielmehr wird diese erst da in ihrer Höhe sich zeigen, wo die beiden Betrachtungsweisen, die er zu versöhnen und zu vereinbaren sich berufen fühlt, von Vorneberein incomparabel erscheinen oder gar in einem disharmonischen Verhältnisse zu einander stehen. Was die Lehre von den göttlichen Eigenschaften einer vorzugsweisen Beachtung werth macht, das ist mehr als alles Andere die Bedeutung des Gegenstandes, der den innersten Kern des religiösen Glaubens ausmacht und zugleich auch das höchste Problem des menschlichen Denkens bildet. Der jüdische Religiosphilosoph war schon von Hause aus auf eine geistige Auffassung' des Gottesgedankens hingewiesen. Schon seit der alexandrinischen Periode war eine solche hier heimisch und volkstümlich geworden. Im Onkelos-Targum werden mit durchgreifender Consequenz biblische Ausdrücke, durch welche Gott körperliche Eigenschaften und Thätigkeiten zugeschrieben werden, so übersezt, dass überall nur der Glaube an die geistige Wesenheit Gottes zum Vorschein kömmt. Der späteren Religionsphilosophie, wie sie in den arabisch-jüdischen Schulen betrieben wurde, war damit ein mächtiger Anhaltspunkt geboten. Gegen ihre Attributenlehre, durch welche der monotheistische Gottesbegriff abgeklärt, von allen Trübungen, die ihm anhafteten, befreit werden sollte, konnte deshalb, obzwar sie thatsächlich nicht in allen Kreisen der jüdischen Religionsbekenner Eingang und Verständniss fand, auch der Vorwurf der Ketzerei nicht erhoben werden. Sie konnte nicht einmal recht bestritten werden, drang in der That auch immer tiefer in das allgemeine Glaubensbewusstsein ein und ist unter den rationalistisch־religiösen Theorien fast die einzige, die zu bleibender, allgemeiner Geltung] gelangt ist, so dass selbst die gegen den jüdischen Aristo.telismus reagirende Kabbala der nachmaimunischen Periode für die das göttliche Wesen verkörpernden Lehren der ältern Mystik keine Verwendung fand. In ihrer höchsten Blüte stand die jüdische Religionsphilosophie des Mittelalters in dem Zeitalter von Saadja bis Maimuni. In diesem wurde auch die Lehre von den göttlichen Eigenschaften vielfach behandelt. In keiner Schrift, in der die Grundlehren des Judenthums besprochen wurden, konnte dieser Gegenstand unberührt bleiben, wie er denn auch damals in den Werken der muhamedanischen Religionsphilosophen ein stehendes Thema wurde. Dass in dieser Periode die jüdische Attributenlehre, der die arabisehe ganz homogen war, in einem schrittweise aufsteigenden Entwicklungsgange sich fortbildete, wird man, nachdem ein geistiges Abhängigkeitsverhältniss wenigstens zwischen den fast gleichzeitig lebenden Autoren noch nicht nachgewiesen ist, gerade nicht ganz rückhaltslos annehmen können. Von einer Geschichte der Attributenlehre kann eigentlich nur insoferne die Rede sein, als auch in der Darstellung der göttlichen Eigenschaften der Einfluss der arabischen Philosophenschulen in unverkennbarer Weise hervortritt und die Ansichten, die Saadja in seinem Buche von den Glaubens-

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