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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1879-01-01 · IV. (1879) · page 115

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
IV. (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 115)
Language
German
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108 wie sehr es hier gerade darauf angelegt war, die hebräische Sprache von der Verderbtheit, in die sie hineingeraten war, zu befreien und ihren alten Glanz wiederherzustellen. Auch diese jüngste Epoche ihrer Ent- Wicklung hat ihr eine nicht unansehnliche Bereicherung an neuen Ausdrucksformen und Begriffsbezeichnungen gebracht, durch deren Anwendung frühere, weniger passende, ausser Gebrauch kamen. Sollte ein neuhebräisches Wörterbuch geliefert werden, mit dessen Hilfe man sich in der Literatur, zu der es gehört, znrechtfinden soll, so müsste eigentlich jeder Ausdruck, der in irgend einer der nachbiblischen Schriften gebraucht wird, in demselben verzeichnet werden. Eine so umfassende Ausdehnung wurde wenigstens von Znnz, dem Meister der jüdisehen Wissenschaft, der ihr weites Gebiet nach allen Bichtungen hin durchmessen hat, für ein solches verlangt. Ein jeder Artikel sollte, nach den Proben, die er selbst gegeben, zu schliessen, gleichsam eine Geschichte des Wortes, von welchem er handelt, darstellen und so wie die Entwickelung der Bedeutungen, die es allmälig angenommen, auch seine historische Verzweigung, seine mannigfache Anwendung bei den verschiedenen Schriftstellern zur Anschauung bringen. So wünschenswert nun ein solches den ganzen neuhebräischen Sprachschatz beschreibendes Lexikon auch wäre, so ist ein Wörterbuch zu don Talmuden und Midraschim eine besondere und weitaus wichtigere Arbeit, durch deren Ausführung einem dringenden wissenschaftlichen Bedürfnisse abgeholfen wird. Die der Vollendung dieser Werke folgenden Literatur-Perioden haben nämlich an Sprachstoff nicht« Neues hervorgebracht, ja ihn vielmehr der Bibel und fast mehr noch der Traditionsliteratur entnommen. Es ist also vom praktischen Standpunkte aus, insoferne es nämlich darauf ankömmt, das Verständniss der Sprache, in der das nachtalmudische Schrifttum verfasst ist, zu ermöglichen, gar nicht so nötig, seinen ganzen Wortschatz lexikalisch zu beschreiben. Wer in Bibel und Talmud geläufig liest, hat in sprachlicher Hinsicht in keiner Schrift, die in hebräischer Sprache verfasst ist, mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Ein anderes ist es bei der Traditionsliteratur selbst, in der die hebräische Sprache noch in steter lebendiger Fortbildung begriffen ist, nicht nur neue Wörter, sondern auch neue Wort- Stämme derselben zum Vorschein kommen und die bekannten Vocabeln Bedeutungen erlangen, die sie in dem biblischen Schriftume noch nicht besitzen. Ausserdem ist hier, soweit er nicht schon auch in den Targumen enthalten ist, der ganze aramäische Sprachsatz aufbewahrt sammt allen den verschiedenartigen Elementen, die aus fremden Quellen ihm zuflossen und sein bleibendes Eigentum wurden. Für die Kenntniss des Neuhebräischen wird aus der nachtalmudischen Literatur in materieller Hinsicht sich nur eine kieine Nachlese ergeben und was die neuen Formationen und Bedensarten betrifft, die aus derselben sich nachweisen lassen, so sind dieselben nur auf Schriftsteller zurückzuführen, die sich dieselben geschaffen haben, nicht auf die Eigenart der Sprache selbst, aus der sie hervorgegangen sind.

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