Mannheim
Compact Memory

Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1879-01-01 · IV. (1879) · page 114

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
IV. (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 114)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2418846-2418853--0816-2419706
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

107 heren konnten diese schon deshalb nicht gelangen, weil sie nur in einzelnen Auszweigungen der Literatur hervortraten. Es ist die Sprache der hebräischen Poesie des Mittelalters und die der Uebersetzungen aus dem Arabischen, welche nämlich da als eigenartige Stilgattungen sich bemerkbar machen und von der herkömmlichen Darstellungsweise sich in Vielem un* scheiden, Beide sind reich an Neubildungen, an Wortformen, durch welche der hebräische Sprachschatz bereichert wird, aber diese sind nicht orgaganisch aus dem inneren Sprachgeiste hervorgegangen und können, so tadellos und regelrecht sie auch gestaltet sind, die Spuren des Künstlichen, das sie an sich tragen, nicht verläugnen. Fast ist man versucht, dem Idiome, in dem die Traditionsliteratur sich darstellt, den Vorzug einzuräumen. Es hat etwas Anheimelndes an sich. Die Lehrer des Talmuds und des Midrasch reden das Hebräische noch als eine lebende, den Poeten und Uebersetzern des Mittelalters ist es eine todte Sprache, und wenn es in den poetischen Schöpfungen nicht der dichterische Genius ist, der sein Lehen in sie hineinträgt, die seelenvolle Empfindung, die aus ihr hervortönt, das Wort selbst hat den geistigen Hauch nicht mehr in sich, der aus dem Leben der Sprache selbst hervorquillt. Noch weniger Selbstständigkeit offenhart sich natürlich in dem hebräischen Stile, der bei der Uebersetzung arabischer Originale und nachher bei der Darstellung wissenschaftlicher Doctrinen überhaupt in Anwendung kam. Die hebräische Sprache hat durch die Fortbildung, die sie demselben zu verdanken hat, ein Gebiet erworben, das weit über ihre ursprünglichen Grenzen hinausreicht, indem sie, die bisher nur in dem Reiche der rigiösen Literatur heimisch gewesen, nun auch auf dem Boden weltlicher Wissenschaft ihre Schösslinge hervortrieb und ein Organ abendländischer Philosopie und Bildung wurde. Die nachbiblischen Entwicklungen des Hebraismus, bei denen die Fortbildung der Sprache nicht nach den inneren Gesetzen derselben sich vollzog, sondern durch Geistesströmungen bedingt wurde, die in ihrem Kreise erst hervortraten, nachdem sie längst zu festem Bestände gelangt war, mussten als überwunden gelten, sobald man die Sprache um ihrer selbst willen zu pflegen begann und demgemäss wiederum dem classischen Schrifttume, darin sie die höchste Stufe der Vollendung erreicht, sich zuwandte. War der talmudische Stil schon wegen seiner Vermischung mit allerlei unhebräischen Elementen nicht geeignet, dem besseren Geschmacke, der zunächst auf Reinheit des Ausdrucks drang, zu entsprechen, so waren auch der poetanische und der scholastische Stil, ersterer wegen seiner Schwerfälligkeit und lezterer wegen seiner Geschraubtheit, nicht danach angethan, seinen Anforderungen zu genügen. Die neuere hebräische Literatur, in der, wie überhaupt seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts, Aesthetik und Sprachsinn wieder zu ihrem Rechte kamen, weist daher einen ganz anderen Ton der Darstellung auf. Die Reihe der ihr angehörenden Schriften wird mit Geistesprodukten eröffnet, die nur als stylistische Musterleistungeu angesehen werden wollen, wonach man ermessen kann,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.