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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1879-01-01 · IV. (1879) · page 113

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
IV. (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 113)
Language
German
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106 4. Neuhebräisches und chaldäisches Wörterbuch über die Talmudim und Midraschim von Prof. Dr. Jacob Levy, Rabbiner, nebst Beiträgen von Prof. Dr. Heinrich Lebrecht Fleischer, Erster Band א—ץ. Leipzig Brockhaus, 1876, Gr. 8. VIII u. 567 S. Die hebräische Sprache hat in ihrer Literatur fünf Entwicklungsphasen aufzuweisen, von denen aus jeder ihr ein neuer Wortvorrat zugekommen und ein besonderes Gepräge erwachsen ist. In ihrer angestammten Reinheit und naturgemässen Gestaltung kömmt sie in dem alten Schriftume zum Vorschein, das ihrer klassischen Periode angehört. Innerhalb eines geschlossenen Volkstums lebend, schöpfte sie aus dem eigenen Quell den Reichtum, dessen sie bedurfte, und dem hohen Geiste, den dieses Volkstum in sich trug, Ausdrucke verleihend, gewann sie selbst einen Aufschwung, durch den ihr ganzes Wesen einen Charakter von Erhabenheit annahm. Als eine ganz andere erscheint sie uns in dem nachfolgenden Zeitalter in der Traditionsliteratur, die mit ihren Wurzeln in die nachexilische Periode zurückreicht und mehr als eines Jahrtausends bedurfte, um zu fertiger Ausgestaltung zu gelangen. Wie diese eine Gedankenwelt in sich fasst, die ganz anders geartet ist als die, welche in dem biblischen Schriftume hervortritt, so ist auch die Sprache, in deren Gewand sie sich kleidet, kaum mehr als dieselbe zu erkennen, die dort ihren Glanz entfaltet. Währenddem dort Wollaut, Schwung und Frische sie umweben, sind hier Dürre, Mattheit und Zierlosigkeit an deren Stelle getreten. Aber nicht nur dass ihr hier Schmelz und Blüte abgehen und selbst die liebliche Poesie der Hagada in dem Sprachausdrucke am Wenigsten sich kundgiebt, sie hat durch die Mischung mit dem Aramäischen, das sich ihr immer mehr zugeseilte und durch die Aufnahme von Fremdwörtern, welche mit den neuen Begriffen und Anschauungen, die sich in dem Volksgeiste einlebten, als fertige Bezeichnungen hinzukamen, auch eine so tiefgehende Umwandlung erfahren, dass sie eigentlich fast nur in einem Idiome noch fortbesteht, an dessen Bildung der fremde Zuwachs nahezu einen eben so grossen Antheil hat als das heimische Element. Diese Entwickelung erwies sich aber auch durchaus nicht als eine solche, die vorübergeht und anderen Gestaltungen den Platz räumt oder durch einen nachträglichen Läuterungsprocess beseitigt wird. Sie hatte sich in einer so ausgedehnten Literatur verkörpert, dass sie das gesammte nationale Geistesgut durchdrang und in das ganze spätere Schriftum, das zu ihr hinzukam, sich hineinverpflanzte. Erst mit der Kenntniss der Redeweise, die in den Talmuden und Midraschim vorherrscht, besitzen wir den Schlüssel zum Verständnisse des gesammten nachbiblischen Schrifttums, das in allen seinen Bereichen von Anklängen an dieselbe wiederhallt und fast mehr als der Bibel diesen Werken das Sprachmaterial entnimmt, aus dem die Darstellung seines Inhalts sich aufbaut. Von viel geringerem Einflüsse und auch nicht von solch nachhaltiger Dauer waren die beiden Entwicklungsphasen, die die hebräische Sprache im Mittelalter durchmachte. Zu einer so weiten Ausdehnung wie die frü-

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