Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- IV. (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 100)
- Language
- German
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93 entfaltet wird, wiederum nur einen grossen Theil ihres Inhalts in sich aufnehmen müssten. Wir halten es von diesem Gesichtspunkte aus nicht blos für einen Act der Pietät gegen den greisen Autor, der jetzt mehr als sechs Jahrzehte hindurch auf dem Gebiete der jüdischen Literatur in solch mustergebender Weise thätig ist, dass seine kleineren Schriften und Aufsätze, die in verschiedenen Zeitschriften zerstreut sind, gesammelt und von Neuem herausgegeben werden, sondern erblicken darin zugleich auch ein Unternehmen, das in noch höherem Masse der Wissenschaft zu Gute kömmt, da gegenwärtig nur wenige Gelehrte in der Lage gewesen wären, alle diese Arbeiten Zunz’s kennen zu lernen und selbe, soweit sie Gegenstände der jüdischen Wissenschaft betreffen, für jeden Forscher auf diesem Gebiete stets unentbehrlich bleiben werden. Erfreulich ist es, dass gemäss der Consequenz des Planes, Zunz’s sämmtliche Schriften herauszugeben, auch die Reden, die er bei verschiedenen Gelegenheiten gehalten, Vorträge, Gutachten, Vertheidigungsschriften und Nekrologe zur Veröffentlichung gelangten. Wir lernen aus ihnen wie auch aus seinen grösseren Werken Zunz als einen klaren und geistvollen Denker, als den glühenden Vertheidiger des Rechtes und der Wahrheit, als den mutigen und überzeugungsvollen Bekämpfer des Wahnes und der Uncultur, als den aufrichtigen Gönner und Förderer der wahren, dem Idealen zustrebenden Aufklärung, kennen. Gesinnung, Würde, Gedankentiefe, Beredsamkeit, Wärme, Schärfe, Wissensreichtum, das alles vereinigt sich in diesen aus Zunz’s Feder hervorgegangenen Arbeiten, um sie nicht blos zu einer fesselnden und genussreichen, sondern auch belehrenden und geisterhebenden Lectüre zu gestalten. Solche Stimmen reden zu allen Geschlechtern, und wenn der Ruf der Anklage gegen die allerlei Verkehrtheiten huldigende Gegenwart aus ihnen hervorklingt, so sollten sie umsomehr als eine lehrreiche Mahnung für die Zukunft vernommen und beachtet werden. Wie die meisten der zeitgeschichtlichen Arbeiten stammen auch die wissenschaftlichen Aufsätze Zunz’s, welche den bisher erschienenen drei Bänden der ״gesammelten Schriften“ einverleibt sind, aus der älteren Periode seiner literarischen Thätigkeit, man würde aber, wenn nicht äussere Momente darauf hinwiesen, ihnen nichts davon anmerken. Sie sind sämmtlieh der Art, dass sie auch heute noch in derselben Gestalt in die Oeffentlichkeit hinaustreten und in dem Literaturkreise, dem sie angehören, den leuchtenden Mittelpunkt bilden könnten. Selbst das erste selbständige Werk, das er im Jahre 1818 veröffentlichte (Etwas über die rabbinische Literatur I, S, 1—81), in welchem das Gebiet der jüdischen Wissenschaft beschrieben und über die Verwahrlosung desselben geklagt wird, hat sowol was seinen Inhalt als auch was seine Tendenz betrifft noch immer seine Bedeutung und Berechtigung nicht verloren Zunz ist eben seiner Zeit so vorangeeilt, dass Generationen darüber hingehen werden, ehe die Kenntniss der jüdischen Literatur so weit fortgeschritten sein wird, dass man für