Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- IV. (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 99)
- Language
- German
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92 Nun ist aber auch das Verhältniss der älteren wissenschaftlichen Arbeiten zu den jüngeren, in denen derselbe Gegenstand behandelt wird, keineswegs immer ein solches, dass jene dadurch überflüssig gemacht werden. Gar oft wird in diesen nur eine Einzelheit aus denselben einer weitergehenden Erörterung unterzogen, währenddem eine ganze Reihe von anderen darin behandelten Punkten, die mit ihr nicht in Zusammenhang stehen, zurückgelassen wird. Man wird daher den älteren Arbeiten den Vorzug einzuräumen, auch in anderer Hinsicht immer wieder auf sie zurückzukommen und, da sie unter solchen Umständen einen weiten Gesichtskreis, innerhalb dessen vielerlei Beachtenswertes sich dem Auge darstellt, eröffnen, in ihnen Grundlage und Anleitung für das eigene Studium zu suchen haben. Wenn wir zunächst in dieser kaum zu ermessenden Reichhaltigkeit von Stoffen, die in ihnen zur Behandlung gelangen, die Bedeutung der Zunz’schen Schriften für das gesammte Gebiet der jüdischen Wissenschaft, über das sie sich erstrecken, erblicken, so soll damit nicht etwa nur gesagt werden, dass sie blos als Vorarbeiten anzusehen seien, durch welche die Fortführung des Begonnenen erst ermöglicht, aber auch wegen der durchwegs mangelnden Vollendung geboten ist, sondern dass vielmehr alle Studien, die die jüdische Literatur zum Gegenstände haben oder irgend einen Stoff derselben in ihr Bereich ziehen, notwendig an Zunz's Schriften, in denen fast über Alles hieher Gehörige Auskunft geboten wird, anknüpfen müsseu. Gerade das ist das Charakteristische der Zunz’schen Leistungen, dass, so viele auch ihrer sind, in ihnen immer das ganze irgendwie nur verfügbare Quellenmaterial benuzt und verarbeitet ist und dass sich an ihnen eine Vollendung zeigt, bei der ein positiver Zuwachs fast undenkbar ist. Man weiss nicht, ob man sich in den Zunz’schen Schriften mehr über die Massenhaftigkeit des Gebotenen, das fast Alles in sich fasst, oder über die Vollendung, die da bei der Behandlung jeder Einzelnheit sich zeigt, wundern soll, denn beides ist hier bewundernswert. Wenn Zunz die Kunde über einen Gegenstand aus den Quellen hervorholt, da bleibt selten etwas nachzutragen übrig und er hat gar Vieles in das Bereich seiner Studien gezogen, Bibelexegese und Sprachforschung, Talmudisches und Bibliographisches, Geographie und Spruchweisheit, Numismatik und Ritualien, mittelalterliche Literatur und neuzeitliche Entwicklung. Es mag sein, dass da Einzelnes herausgegriffen und in weiterer Ausführung bearbeitet werden wird — denn Zunz selbst liebt es, oft das in einem Satze auszusprechen, woraus ein Anderer ein ganzes Buch machen würde — desungeachtet werden seine Schriften, auch wenn diese Parcellirung grössere Dimensionen angenommen haben wird, stets nicht nur einen historischen, sondern auch einen wissenschaftlichen und praktischen Wert haben, da über die Gegenstände, die in ihnen behandelt werden, in den meisten Fällen kaum noch eine weitere Belehrung zu erwarten ist und Werke über jüdische Literatur, iu denen ein solcher Wissensreichthum