Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- IV. (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 84)
- Language
- German
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77 Ein Einblick in dasselbe lässt uns bald erkennen, das Rabbinovicz der Aufgabe, die er sich gestellt, nicht nur völlich gewachsen ist, sondern auch fast über alle Hilfsmittel verfügt, ohne deren Benuzung ihre Lösung eine unvollständige bleihen musste. Was an Handschriften und alten Drucken talmudischer Tractate und Sammelwerke in öffentlichen wie in Privatbibliotheken sich vorfindet, hat er sich zugänglich zu machen gewusst und diese Quellen, von denen viele bis jetzt vergraben lagen, nicht nur benuzt, sondern auch erschöpft. Für die Anordnung des Materials, das in dem vorliegenden Werke uns geboten wird, ist die ursprüngliche Absicht des Verfassers,zunächst die Varianten der Münchener Talmudhandschrift, der eiuzigen, die alle Tractate in sich fasst, *) der Oeffentlichkeit zu übergeben, massgebend geworden. Jede Seite zeigt in ihrer oberen Hälfte zwei mit hebräischer Quadratschrift bedeckte Columnen auf, von denen die rechts stehende die Stellen des gedruckten Textes enthält, zu denen die Münchener Handschritt Varianten darbietet, währendem diese selbst in gleicher Linie auf der anderen Columne verzeichnet sind. In fortlaufenden Noten zu dieser sind dann unter dem Striche die in sonstigen handschriftlichen Quellen und anderen Werken Vorgefundenen Lesearten angemerkt und zumeist auch in Kürze besprochen. Diese Art der Anordnung des Stoffes, die, soll der Blick des Lesers nicht verwirrt werden, die einzig mögliche ist, führt nur eine Unzukömmlichkeit mit sich. Da nemlich in den rechtsstehenden Columnen nur die Textstellen der Vulgata bezeichnet sind, die in der Münchner Talmudhandschrift eine andere Fassung haben, so merkt man auf den ersten Blick nichts davon, dass aus den übrigen Handschriften auch zu anderen Stellen Varianten nachgewiesen sind, die man erst bei näherer Einsicht in die No- *) Die Beschreibung und Geschichte derselben wird in den Prolegomenen zn Bd. I, S. 27—35 geliefert vergl. hierzu Lebrecht Handschriften S. 54 ff. und meine Bemerkung in der hebr. Zeitschrift Ha-Karmel 1877 S. 518. Ueber das Alter dieser Handschrift hat Netanel Weil in der Replik gegen Josef Hirschei (עץ יוסף Ed. 1763 fol. 66b) eine Angabe, bei der er sich um hundert Jahre verrechnet hat. והש״ס קלף ראיתי שנת כתיבתו הוא יותר מחמש מאות שנה. Josef Hirschei — so nennt sich dieser Autor in der deutschen Widmung auf der Rückseite des Titelblattes zu seiner jüdisch-deutschen Uebersetzung des Alscheich ־ Commentares Th. I. Ed. Carlsruhe 1770 — hatte sich über die Berufung Weil’s auf handschriftliehe Lesearten, gegen welche die der gedruckten Texte zu verwerfen seien, ungehalten gezeigt.ואני אומר שהפריז על מדותיו לכתוב שהרבה לומדים נשתבשו בזה בי קודם שאתא הקלף לירי' היאך הוה מפרש רש"׳ וגם הך קלף אינו שפיר למילף ומאן ״מר מי הוא האלוף , ודאי לא מר בר רב אשי או מר טביומי אותו 15 עק יוסף) שלוף a). Das veranlasste Weil zu der beachtenswerten Aeusserung, dass auf das Zeugniss einer alten Handschrift mehr Wert zu legen sei als auf pipulistische Künsteleien (ולמה לי בחריפות של הבל Replik a. a. 0.).