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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1879-01-01 · IV. (1879) · page 83

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
IV. (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 83)
Language
German
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-•,76 - endlich auch der babylonische Talmud von der Misshandlung durch die pilpulistische Lehrweise erlöst werden. Selbst in den Kreisen, in welchen das Talmudstudium mehr eine Sache der Pietät als der Wissenschaft war, musste man nachgerade zu der Einsicht gelangen, dass die dialectischen Uebungen, in denen die Lernenden sich bisher gefielen, haltlos und fruchtlos seien und für ein richtiges Verständniss hier andere Bahnen geöffnet, andere Wege eingeschlagen werden müssen. Indessen dauerte es ziemlich lange, ehe man daran dachte, sich nach den Hilfsmitteln umzusehen, durch deren Benuzung die erste Grundläge für eine wissenschaftliche Behandlung des Talmuds, nämlich ein correcter Text desselben, hergestellt werden könnte, und durch die Editionen schleppt sich die Verwahrlosung desselben noch bis heute wie ein unausrottbares Erbübel fort. Erst im Jahre 1862 wies Lebrecht in seinem von umsichtiger Forschung zeugenden Werke ״Handschriften und erste Ausgaben des baby- Ionischen Talmuds“ auf die noch vorhandenen Mannscripte und alten Editionen hin, aus denen reiches Material für die talmudische Textkritik zu holen ist. Zwei Jahre später waren von ihm bereits die umfassendsten Vorbereitungen zu einer den Anforderungen der Wissenschaft entsprechenden Edition des Talmuds getroffen, die sogar bereits bis zum Tractate Moed gediehen war.*; Mittlerweile hatte jedoch auch R. Rabbinovicz, ein junger bis zu dieser Zeit noch wenig gekannter Literat **), den Plan gefasst, die aus dem Münchener Talmudcodex gesammelten Varianten herauszugeben. Sein Unternehmen, dessen Plan sich unterdess sehr erweitert hatte, wäre vielleicht ebenso wie das im Plane fertige und zum Theile bereits für den Druck vorbereitete Werk Lebrechts unausgeführt geblieben, wenn es nicht in A. Merzbacher, der im Besitze einer grossen Bibliothek sich befindet und Hrn. Rabbinovicz in Anschaffungen für dieselbe freie Hand lies, einen hochherzigen Mäcen gefunden hätte. Mehr als zehn Jahre beschäftigt sich Rabbinovicz bereits mit der Herstellung eines grossartigen, ausserordentlich reichen kritischen Apparates zum Talmud und die Frucht seines Fleises sind die acht Bände des vorliegenden Werkes, in welchen die sämmtlichen aus Handschriften, alten Drucken und Anführungen bei alten Autoren gesammelten Lesearten zu den Ordnuugen Seraim und Moed verzeichnet sind, und eine am Schlüsse angehängte Abhandlung über die sämmilichen Editionen des Talmuds, die eine völlige Umarbeitung einer ähnlichen dem Werke vorausgeschickten Arbeit bildet. *) Kritische Lese verbesserter Lesearten S. 41. **) Im J. 1860 edirte er eine handschriftliche Gutachtensammlung des R. Meir v. Rothenburg mit kritischen Anmerkungen und Nachweisen (Lemberg, 4.). Damals stand er in seinem 25. Lebensjahre, wie man aus der Vorrede zu dem ebenfalls durch ihn veröffentlichten קונטרס עיקרי העבודה des R. Josef b. Israel (Presburg 1868) ersieht.

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