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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1879-01-01 · IV. (1879) · page 81

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
IV. (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 81)
Language
German
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dirten Erklärungen nickt eiuzudringen vermocht. *) R. Tam’s eindring־ liehe Mahnung, alte Lesearten nicht gegen jüngere Emendationen zu verwerfen, hat gewiss ihre Wirkung nicht verfehlt, aber sie kam, was das Unwesen der Correctoren im Allgemeinen betrifft, doch schon viel zu spät. Im zwölften Jahrhunderte bot sowol in Frankreich als auch in Italien und in den maurischen Ländern fast jede Handschrift einen anders gearteten Text dar. Die Glossatoren und Commentatoren des Talmud’s, namentlich die in Spanien und iu der Provence, hatten vollauf damit zu thun, die Varianten zu collationiren und sich für ihre Erörterungen eine sichere Grundlage zu schaffen. Alte Mustercodices, Citate in den Werken Chananel7s und Nissim’s und Erläuterungen in geonäischen Schriften wurden beliufs Richtigstellung des Textes zu Rathe gezogen und danach der Gang und die Tendenz der einzelnen talmudischen Discussionen beleuchtet. Die Benuzung solcher Hilfsmittel reicht wie überhaupt die stete Rücksichtsnahme auf die recipirten Texte bis an das Ende des vierzehnten Jahrhunderts hinab. Die Literatur der Talmudexegese geht in den folgenden zwei Jahrhunderten fast ganz leer aus, das Studium der Halacha bringt zumeist nur Compendien der Ritualkunde und Responsensammlungen hervor, bis mit der Drucklegung des Talmud’s wiederum von Neuem die Beschaffenheit seines Textes von Einzelnen in Betracht genommen und zu erneuter Erläuterung seines Inhalts Stoff und Anlass dargeboten wurde- In den zahlreichen Commentarien, die seitdem zu dem Talmud oder zu einzelnen Tractaten und Partien derselben geschrieben wurden, ist zwar nur wenig Brauchbares und Gediegenes geliefert worden. Man könnte, wenn man diese Literatur im Ganzen übersieht, aus ihr vielleicht eher auf eine Entartung als auf einen Aufschwung der Talmudexegese schliessen. Die in Polen erwachsene und von da aus sich immer weiter verpflanzende Methode, Syllogismen auf einander zu thürmen, die in eine scharfe Spitze ausliefen, ohne einen soliden Untergrund zu haben, war auch gar nicht dazu angethan, hier einen erheblichen Fortschritt anzu bahnen. Allein es fehlte doch nicht an Männern, die wenn sie auch theilweise in die Fehler dieser Richtung verfielen, doch ihre gesunde Einsicht nicht preisgaben und bei ihren Erläuterungen mit kritischem Geiste zu Werke gingen. In erster Reihe ist hier Salomo b. Jechiel Lurja, der Bekämpfer des Pilpuls, zu nennen, der für den Text der Talmud-Editionen fast dasselbe geleistet hat, was einst sein angeblicher Vorfahre, Salomo Jizchaki, für den der Hand- Schriften. Er unterzog die ihm vorgelegene Ausgabe (Ed. Bömberg I) ויהיו דברי אלה קרובים לכל ירא שמים לבלתי ישבשו הספרים למחקם ול ולא לעשות לא הן לאו ולא לאו הן וכש״ב שמתוך סברת האדם שמועתו וסברת התלמוד כי מחוך שלא נודע טעמם של ראשונים והחליפו (החליפו.1) טעמם ולא עמדו אחרונים על דעתם בשמועתן (a. a. 0.). Friedmann (Vorr. zu Sifre c. II) hat den Sinn dieser Worte nicht völlig erkannt.

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