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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1879-01-01 · IV. (1879) · page 73

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
IV. (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 73)
Language
German
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66 lification hiefür besizt, es nicht nöthig hat, sich auf eine aus früherer Zeit überlieferte Meinung eines Einzelnen zu berufen. Darauf wird nun erwidert, dass man die Kenntniss dieser Meinungen dennoch erhalten musste, da sie dazu dienen, die Tradition zu controliren und Alles, was sich als solche ausgiebt, auf seine Quelle zurückzuführen. *) — Der Besprechung der Grundsätze, die bei der Normirung gesetzlicher Vorschriften in Anwendung kamen, lässt der Verf. in Kap. 8—13 (S. 71—127) eine Darstellung der speciellen Thätigkeit des Patriarchen Gamaliel II. und der hervorragenden Gesetzeslehrer, die gleichzeitig mit ihm wirkten, folgen. Bei der Zerstreutheit und Verschwommenheit der an eigentlicher Aufklärung armen Quellen war es nicht leicht von dem Charakter und der Lehrweise dieser Männer ein so klares und richtiges Bild zu entwerfen. Nicht so ausgemacht, wie der Verfasser es hinstellt (S. 73), ist es, dass Gamaliel, der das Achtzehn-Gebet in eine feste Ordnung und bestimmte Fassung bringen liess, es als ein Aequivalent für das tägliche! Opfer betrachtete. Wenigstens lässt, der Umstand, dass er die Abend-Tefilla**) als pflichtmässig erklärte, darauf schliessen, dass er diese Theorie nicht als massgebend *) Die von Weiss und früher schon von Luzzatto ausgesprochene Ansicht, dass No. 6 nur eine andere Beantwortung der in No. 5 aufgeworfenen Frage enthält, findet ihre Hauptstütze in dem Wortlaute der Tosefta, der aber gerade hierin nicht authentisch ist. Bei R. Simson v. Sens, der die Mischna in demselben Sinne interpretirt (א״ר יחורה לחלוק בא והוי כאלו כתב ר״י אומר) erscheint die correspondirende Stelle der Tosefta in folgender Gestalt:שמעתן ד יהודה אומר לא הוזכרו דברי היחיר בין המרובין אלא לבטלן וחכמים אומרים לא הוזכרו דברי היחיד בין המרובין אלא שזה אומר טמא הה אומר טהור יאמרו לו כדברי פלוני שמעת. Hier kann zunächst שמעתי nicht richtig sein. Es ist wahrscheinlich aus לשעתו corrumpirt, das zu dem voranstehenden Satze gehörte. Derselbe lautete demnach: שמא יצטרך להן שעה ויסמכו עליהן לשעתו. In den Tosefta-Ausgaben wird hier der Name R. Jehuda’s nicht erwähnt. Der Passus: ר, יהודה אומר וכ, כדי לבטלן ist daher wol nur als eine Reminiscenz aus der Mischna anzusehen, die einem Copisten hier durch die Feder geflossen ist und daher keine weitere Beachtung verdient. **) Wieso es Brauch geworden ist, auch mit der nächtlichen Schemalektion die Tefilla zu verbinden, nachdem doch, insoferne diese den beiden täglich dargebrachten Opfern entspricht, bereits zur Morgens- und zur Vesperszeit die Pflichtandacht verrichtet war, lässt sich leicht erklären. Das Minchagebete liess sich nämlich mit der abendlichen Schemalektion absolut nicht verbinden. Ebensowenig konnte man das erstere völlig aufheben. Man musste also, sollte der mit Eintritt der Nachtzeit beginnende Gottesdienst der Morgenandacht conform sein, notwendigerweise auch die Tefilla hinzunehmen. Zur Zeit R. Gamaliels scheint dieser Brauch schon ständig gewesen zu sein.

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