Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- IV. (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
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60 in die Quellen zu begegnen gewohnt ist. Es war wahrlich schon nichts Leichtes, dieses weitschichtige, vielfach zerstreute und wiederum mannigfach durcheinander geschobene Material, das hier durchwegs gesichtet und verwertet werden musste, so zu ordnen und zu vertheilen, dass aus demselben die einzelnen Züge, die zu einem Geschichtsbilde gehören, kenntlich hervortreten und zu einem solchen sich zusammensetzen lassen. Dieselben erkannt, aus ihnen ein Gesammtgemälde dieser Periode construirt und diesem durch klare und elegante Darstellung einen lebensvollen Ausdruck verliehen zu haben, darin liegt der Hauptvorzug der Weiss’schen Arbeit,’ der sie zu einer Leistung ersten Ranges erhebt. Mit nicht geringerem Scharfsinne ist es dem Verfasser der Einl. in die Mischua gelungen, aus den zahlreichen Angaben über das Leben und die Lehrthätigkeit der Thanaiten eine Charakteristik derselben herzustellen, in farblosen und seltsam verunstalteten Notizen tiefere Andeutungen zu entdecken und über Manches, das bisher fraglich und zweifelhaft schien, sicheren Aufschluss zu ermitteln. Zwar ist seine Anschauung von der Tradition die althergebrachte, die auf haggadischen Aussprüche des Talmuds basirt, dennoch aber verkennt er die Eigenart nicht, die an den einzelnen Trägern der Heberlieferung sowol in ihrer Lehrart als auch in ihrer Wirksamkeit sich kundgiebt und entfaltet bei der Nachweisung derselben eine talmudische Gelehrsamkeit, die kaum eine Naehlese übrig lässt. Dass auch Hr. Weiss das fast unübersehbare Quellenmaterial völlig beherrscht, braucht nach dem bereits Gesagten nicht erst bemerkt zu werden. In dem Gebrauche desselben unterscheidet er sich von Hrn. Brüll durch die von aller Vorgefasstheit freie Betrachtungsweise, mit der er hierbei zu Werke geht. Er scheut es nicht, an den gefeierten Autoritäten der Mischna Kritik zu üben, talmudische Angabeu da, wo sie ihm nicht als genug glaubhaft sich erweisen, in Zweifel zu ziehen und in der Beurteilung der Personen und Verhältnisse seiner eigenen auf umsichtige Quellenforschung beruhenden Meinung zu folgen. Es kann nicht geleugnet werden, dass eben manche blos vormutungsweise aus gesprochene Behauptungen noch weiterer Prüfung Vorbehalten werden müssen, ehe sie ais gesichert anzunehmen sind, aber im Allgemeinen wird in diesem Werke über die Geschichte der Thanaitenperiode und die Literatur, die derselben entstammt, so reiche und lichtvolle Aufklärung geboten, dass mann dadurch erst die rechte Kenntniss derselben und einen tieferen Finblick in das innere Getriebe der geistigen Bewegungen, die sie in sich fassf, gewinnt. Wir müssen es uns versagen, auf den Inhalt der beiden vorliegenden Werke näher einzugehen, da man hier gar vielen neuen Ansichten und Auffassungen begegnet, deren jede eine ausführlichere Besprechung erheiseht, als sie an diesem Orte gegeben werden kann. Auch könnte eine auszüglice Darstellung derselben nicht Alles zusammenfassen, was besonders hervorgehoben zu werden verdiente. Nur in aller Kürze wollen wir hier zunächst