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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1879-01-01 · IV. (1879) · page 46

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
IV. (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
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39 Mittheilung macht, jener Tradition der Boden entzogen werden. Wenn man den deutschen Juden vorhielt, dass sie von den Vangionen abstammen, die im Heere Vespasians gestanden und jüdische Mädchen als Beute heimgeführt haben, so konnten sie darauf erwiedern, dass diese Annahme auf einer durch täusehende Namensähnlichkeit entstandenen Verwechslung beruhe. Nicht Vangionen sondern Binj aminiten, die ja auch sich israelitische Mädchen geraubt haben, waren es, die nach Worms kamen und die Stammväter der dortigen Juden wurden. Für diese Entgegnung bot der Umstand, dass das Buch der Bichter den Leser über den Verbleib von tausend Mann aus dem Stamme Binjamin im Unklaren lässt, eine vortreffliche exegetische Handhabe. Es ist kaum daran zu zweifeln, dass Kimchi, der bekanntlich auf die Widerlegung der Einwürfe, welche von christlicher Seite gegen die Lehren und Einrichtungen der jüdisehen Beligion erhoben wurden, ein besonderes Augenmerk riehtete, seinen Midrasch aus einer älteren Schrift, in welcher Disputationen zwischen Juden und Christen gesammelt waren, kennen gelernt hat. Ebenso ist es als gewiss anzunehmen, dass in diesem Midrasch nur von Deutschland und zwar von Worms, nicht aber von Bumänien, die Bede ist. Es fragt sich nur, ob die auf einer alten Tradition beruhende Nachricht der Wormser Chronik auch historisch richtig ist. Mit zweifelloser Sicherheit wird diese Frage auch jetzt nicht zu beantworten sein, wol aber ist daraus, dass jene Tradition von den Juden nicht abgeläugnet sondern nur als missverständlich hingestellt wurde, zu schliessen, dass sie selbst nicht von dem Gegentheile überzeugt waren. Es wäre auch Niemandem in den Sinn gekommen, die fehlenden tausend Binjaminiten nach Worms wandern zu lassen, wenn man es nicht für notwendig befunden hätte, die im Volke lebende Sage, dass die Wormser Juden Abkömmlinge der Vangionen seien, in zweckmässiger Weise zu umstalten. Diese Ueberlieferung muss also auch in jüdischen Kreisen sich von altersher vererbt haben. Es würde, wenn man nicht hier Alles in das Beich der Fabel verweisen will, sich daraus ergeben, dass ein Theil der Juden, die zu den Bömerzeiten in Deutschland sich ansässig gemacht und sich von da aus in andere Gegen-

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