Mannheim
Compact Memory

Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1879-01-01 · IV. (1879) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
IV. (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2418846-2418853--0718-2419608
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

9 sich entscheiden, ob die jüdische Glaubenslehre einer geistigen, vernünftigen Auffassung gemäss zur Darstellung gelangen dürfe oder ob der Wortlaut der Ueberlieferung unbedingt maszgebend bleiben müsse. Es waren im Moreh nicht einzelne Sätze, denen gegenüber Bedenken sich geltend machen mussten, es war die ganze Methode, bei Bibelstellen und haggadischen Aussprüchen, die, wörtlich genommen, mit der philosophischen Anschauung schlechterdings nicht zu vereinigen waren, den Wortlaut nur als bildliche Ausdrucksweise zu betrachten, die bei denen> welche von einer rationalistischen Umdeutung solcher Stellen nichts wissen mochten, Anstoss erregen musste. Am nächsten standen die beiden Gegensätze, Rationalismus und Buchstabenglaube, einander in der Provence gegenüber, dem Grenzlande zwischen Spanien und Frankreich, in welchem die Schriften der maurisch-jüdischen Philosophen schon seit langer Zeit Eingang gefunden hatten, zugleich aber der strengtalmudische Geist heimisch war, der von Nordfrankreich herüberwehte. Die Reibungen zwischen den Verehrern und den Gegnern Maimuni’s enstanden zuerst in Montpellier, wo der von dem Buchstaben der Bibel und selbst der Haggada kein Haarbreit vergebende Salomo b. Abraham seinen Wohnsitz hatte. Vor dem Jahre 1230 hatten nämlich einige Leser des Moreh geäussert, dass in der biblischen Darstellung der Schöp־ fungsgeschichte nicht Alles wörtlich zu nehmen sei und ein Gleiches auch von vielen Aussprüchen der Thora gelte; andere sprachen sich in eben nicht respeetvoller Weise über die rabbinische Haggada aus, ja Samuel Ibn Tibbon 8011 sich die Aeusserung entschlüpfen haben lassen, dass in der Bibel die Erzählungen nur als Gleichnisse und die Satzungen nur als sanctionirte Bräuche anzusehen seien*). Dem gegenüber glaubte *) □קבוצת מכתבי fid. Halberstamm s. 5152...חדשים מקרוב באר להרוס קבלות ולמשול משלים בדברי התורות ולהפך למשל והבל תולדות קין וחבל• Salomo b. Abraham hat hier wahrscheinlich die Lehre von der Weltewigkeit im Sinne, die nach Maimuni zu dem biblischen Schöpfungsberichte nicht im Widerspruche stehen soll. Die Worte תולדות קין והבל

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.