Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 199)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2418846-2418851--0674-2419563- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
194 gezeigt, auch neuere Leistungen ihm unbekannt geblieben sind. So bezeichnet er p. 90 die Angabe Geigers (ges. Schriften III. S. 3), dass Elia del Medigo 1490 nach Kandia zurückgekehrt sei, als eine irrige, weil diese Rückkehr erst nach dem Tode Pico de Mirandola’s (st. 17. November 1494) erfolgt sein soll. Wäre dem Verfasser eine Prüfung der Originaldaten möglich gewesen, sohätte er gefunden, dass Geiger im Rechte ist. Grätz (Gesch. 8 S. 252) erhebt zwar gegen die Annahme, dass del Medigo etwa 1491 in Kandia angekommen und 1493 mit Tode abgegangen sei, denselben Einwand wie der Verf., allein auch er hat ein Datum, das hier von einiger Entscheidung ist, unbeachtet gelassen. Die Unzuverlässigkeit der Angabe Josef del Medigo’s (Maznef 3 b), dass E. d. M. nach dem Tode Pico de Mirandola’s gestorben sei, wurde bereits von Carmoly (Revue orientale II. p. 126) erkannt. Dass sie auf einem Irrtume beruhe, beweist nicht blos der Bericht Saul Kohens in dem 1506 an Abarbanel abgesendeten Schreiben, in welchem mit Bestimmtheit angegeben wird, dass d. M. schon seit dreizehn Jahren, also seit 1793, nicht mehr am Leben sei, sondern auch die auf Veranlassung Saul Kohens verfasste Schrift Bechinat ha־Dat (vgl. dessen Nachschrift Ed. Basel 10a, Ed. Wien S. 83. . .ויקם ג״ב בהערת הצעיר יוצקי מים על ידו... לדבר בדת הזאת), die, wie del Medigo selbst bezeugt, im Jahre 5251 a. m. 1491 vollendet wurde. (והשלמתיו י״ח לטבת שגת חרנ״ה). Dieses Werk kann er nur in Kandia geschrieben haben, denn in Italien war Saul nicht mit ihm zusammen, und zwar erst nach seiner Rückkehr, da er sonst sich immer in Italien aufhielt. Nachdem nun del Medigo etwa nur zwei Jahre in seiner Heimat noch lebte und 1791 bereits daselbst literarisch thätig war, so muss er längstens am Anfang des J. 1794 gestorben sein. Saul Kohen, dem man als einem zeitgenössischen Zeugen überhaupt nicht so leicht eine Unrichtigkeit auf bürden kann, weiss davon zu erzählen, dass del Medigo, nachdem er von seinen philosophischen Gegnern sich Ruhe verschafft, sich der Theologie zugewandt habe (ויהי כי הניח לו אלוהיו מכל אויבי ההשכל המופתי מסביב המבוכות העצומות אז אמר... לכה נא אנסכה בחכמה התודיית בתבונה). Dass er aus diesem Grunde sich aus Italien hinweggab, ist Josef Salomo del Medigo bekannt (Mazref a. a. P. שכאשר הוכיח בראיות ברורות וגלה רעתו לאיזה צד נוטה כס תה כלמה פני הכת הגצוחה ונהפכו לו לאויבים), wie denn auch Mose Mez eine Kunde davon hat, dass d. M., ein eingefleischter Averroist, für seine philosophische Anschauung kämpfend eintreten musste (זה האיש היה כלו בן ראשד ומגן בעדו בכל כיחו). Josef Salomo d. M. wusste nun auch, dass um die Zeit, in der d. M. Italien verliess, Pico de Mirandola aus dem Leben schied. Beides geschah im letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts. Er vermutete daher, dass zwischen diesen Facten ein causaler Zusammenhang bestehe und referirte, indem er dieser ihm als richtig erscheinenden Combination folgte, dass d.M.inFolge des Todes de Mirandola’s in seine Heimat zurückkehrte, ohne dass dies thatsächlich der Fall war. Man wird daher Saul Kohen’s Angaben unbedenklich folgen dürfen. — Der Verf. scheint auch sonst bei aller Akribie nicht immer in die Quellen, auf die er sich beruft, genauen Einblick genommen zu haben. So wird 8. 33,