Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 181)
- Language
- German
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176 8. Religionsgeschichtliche Studien von Dr. M. Güdemann. Leipzig, Leiner. 1876, 8 und 144 S. In der ersten der vier Abhandlungen, die den Inhalt des vorliegenden Werkes ausmachen, überschrieben: ״Mythenmischung in der Hagada“ (1—G4) sucht der Verfasser zu erweisen, dass ägyptische und phönicische Göttersagen in die rabbinische Hagada eingedrungen und dass manche Züge derselben, die in den anderen Berichten bis zur Unkenntlichkeit entstellt erscheinen, hier noch in ihrer ursprünglichen Gestalt aufbewahrt sind. In der Reihe der Beweisstellen, welche diese in ihrem ersten Th eile richtige und auch schon von anderen Gelehrten aufgestellte Behauptung stützen sollen, erscheint zuerst die von R. Simlai entworfene Beschreibung des Zustandes, in welchen! sich das Kind im Mutterschosse bis zu seinem Austritte aus demselben befindet (Nidda 30 b). Dass der Horusmythus, dessen Wiederhall der Verf. aus ihr herauszuhören glaubt, in der Hagada einzelne Spuren zurückgelassen hat, ist bereits in Jahrb. I. 148, 149 gezeigt worden, in R. Simlais Ausspruche vermögen wir jedoch trotz der weitläufigen Auseinander- Setzung, die der Verf. ihm widmet, eine solche nicht zu entdecken. Wenn da gesagt wird, dass in dem Momente, in dem das Kind das Licht der Welt erblickt, ein Engel ihm einen Streich auf den Mund verseze und es so seiner Allwissenheit beraube, so hat R. Simlai nur Lezteres betonen wollen. Nicht nur hier, sondern auch an anderen Orten, an denen dargestellt wird, wie Einer durch höhere Einwirkung zum Schweigen gebracht wurde, heisst es: ״Ein Engel kam und schlug ihn auf den Mund“ (vgl. Midr. rab. zu H. L. 7, 9 באותה שעה ירד מיכאל המלאך וסטרו על פיו Synh. 92b שאלמלא לא בא מלאך וסטרו על פיו). Es kann also, wenn auch nach einer vulgären Vorstellung die Vertiefung an der Oberlippe von dem Streiche herrühren soll, den der Engel dem neugeborenen Kinde versetzt, davon nicht die Rede sein, dass R. Simlai hier eine Uebertragung der ägyptischen Sage, nach welcher Horus mit einem an den Lippen angewachsenen Finger zur Welt gekommen sei, beabsichtigt habe. Es ist das eben nach der hagadischen Darstellungsweise Art der Engel, denjenigen, dem sie das Reden verwehren wollen, auf den Mund zu schlagen. Noch weniger gerechtfertigt ist die Annahme, dass ״das Licht, das über dem Haupte des Kindes brennt“ den Diskus vorstelle, den Horus als ein Symbol der Sonne auf seinem Kopfe trägt. R. Simlai hat nicht blos diese, sondern auch andere Behauptungen über den fötualen Lebenszustand nach Hiob 29 aufgestellt. Aus v. 3 konnte er gar keine andere Folgerung ziehen, als dass über dem Kopfe des Kindes ein Licht angezündet sei. Auch im Tanchuma-Midrasch (Tasria No. 1), wo eine Abhängigkeit von R. Simlai sich nicht zu erkennen giebt, wird aus dieser Schriftstelle nahezu auf dasselbe geschlossen מכאן אהה למד שהאורה לתינוק כשהוא במעי אמו. Man muss überhaupt in R. Simlais Ausspruche eine Scheidung vornehmen zwischen dem, was darin einer älteren Tradition angehört, und dem, was er selbst hinzugethan. Die Theilungsfiäche ist leicht zu finden. Mit den Worten וכיון שיצא לאויר העולם בפתח הסתום schliesst der erste physio-