Mannheim
Compact Memory

Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1877-01-01 · III. (1877) · page 176

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
III. (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 176)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2418846-2418851--0651-2419540
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

171 וגם ספרים אחרים קצרים בתכונה ובתשבורי. ובבספר ובסוד י.ע בור. Hoffen wir, dass es als eine der schätzbarsten Abhandlungen über das jüdische Kalenderwesen auch jetzt noch der vollen Würdigung sich erfreuen und den ihm gebührenden Hatz erhalten werde so in der Geschichte der mathematischen Literatur wie in der des jüdischen Schrifttums! 7. פירוש על שיר השירים מד משה אבן תבון יוצא לאור פעם ראשונה על ידי חברת מקיצי נרדמים, Lyck 1874, 26 bi. Mehr als bei den anderen biblischen Büchern ist hei dem H. L. die Einreihung in den Kanon von massgebenden Einflüsse auf die Auffassung und Behandlung des Inhalts gewesen. Es bildet eine Eigenart in ihrer Mitte. Der religiöse Charakter, den sie an sich tragen, ist ihm von Hause aus nicht eigen, er musste ihm erst aufgeprägt werden. Wenn man sonst auch mit einer geraden, dem einfachen Wortsinne folgenden, aus dem inneren Geiste des Buches hervorgehenden Erklärung ausreichen konnte, um denYoraussetzungen, die durch dessen Aufnahme in den Kanon gegeben waren, gerecht zu werden, so musste man bei dem H. L. notwendiger Weise zu der Deutung seine Zuflucht nehmen. Eine nüchterne Betrachtung erblickte hier nur einen duftenden Kranz von Liedern, dessen Blumen alle der Erde entsprossen sind, nicht eine Kette höherer Gedanken, die die Erde mit dem Himmel verbindet und den Menschen zu dem Göttlichen emporzieht. Der Heiligenschein, von dem die Bücher der Bibel umflossen sind, stand den feuerigen jugendfrischen Liebesgesängen, die hier ertönen, nicht gut am man musste ihnen erst eine neue Stimmung einhauchen, wenn das Göttliche aus ihnen hervorklingen sollte, sie aus dem Reiche des Sinnlichen in die Sphäre des Geistes übertragen, wenn sie als Ausdruck religiöser Ideale erscheinen sollten. Die Vertreter der allegorischen Auslegung, die das ursprüngliche Bild aus dem Rahmen dieser herrlichen Dichtung herausnahmen, um ein Gemälde ihres eigenen religiösen, nationalen oder philosophischen Bewusstseins in denselben hineinzutragen, betrachteten diese als die allein richtige. Der Mischnalehrer R. iVkiba, der an der Spitze derselben steht) konnte auf diese Weise mit warmer Emphase dem Zweifel an die Heiligkeit des H. L. den Ausspruch entgegenstellen. ״Alle Hagiographen sind heilig, Schir-ha ־Schirim aber ihr Allerheiligstes.“ Ihm, dem Yater der freien Schriftauslegung, entrollte sich hier ein Drama, in welchem seine Ideale, Gott und Israel, in ergreifender Weise verherrlicht werden und so strahlte hier allen, die den Weg der allegorischen Erklärung giengen, das Licht ihrer eigenen Erkenntniss und Anschauung entgegen. Hier las, wie Isak Arama sich treffend ausdrückt, der Philosoph seine Weisheit, der Kabalist seine Mystik, der Theologe seine Gottesgelehrtheit. Der Zauber des Geheimnissvollen, der von dieser Dichtung auszugehen schien, überstralte den Reiz der Anmut, der über sie ergossen ist, und zog die Denker an, hier ihren Geist zu vertiefen nnd verborgene Lehren ans Licht zu ziehen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.