Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 165)
- Language
- German
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160 Nicht so ist es bei Werken, die sich über ein wenig gekanntes und der allgemeinen Geschmacksrichtung fernliegendes Gebiet des Wissens verbreiten. Hier ist es der Autor seinem Buche wie seinen Lesern schuldig, über den Zweck und die Art seiner Arbeit sich zu erklären und ihre Nützlichkeit, oder wo eine solche vorhanden ist, ihre Notwendigkeit zu beweisen. Das unter den! Namen Minchat Schai bekannte Werk Salomon Jedidja Norzis hätte sich unter den schriftstellerischen Producten, die zur Zeit seiner Abfassung in die Oeffentlichkeit hinaustraten, wie ein seltsamer Fremdling ausgenommen, wenn es nicht den Ausweis über seine Heimatsberechtigung in der jüdischen Literatur mitgebracht hätte. Um seinem massoretischen Bibelcommentar Eingang zu verschaffen, musste Norzi erst zeigen, wie notwendig es sei, die biblischen Texte, die durch Nachlässigkeit manche Verwilderung und Verunstaltung erlitten, zum Gegenstände eines besonderen Studiums zu machen und sie von den Fehlern zu säubern, durch welche die richtigen und ursprünglichen Lesearten verdrängt worden sind. Zu diesem Zwecke schrieb er zu demselben eine ausführliche Einleitung, in welcher er die Gesichtspunkte darlegte, von denen er bei der Bearbeitung seines Commentars ausgegangen war, und die literarischen Hilfsmittel bezeichnete, deren er sich in seinen Werke bediente. Es war dem Verfasser, obzwar er sein Manuscript so fertig gestellt hatte, dass blos noch das Datum für die Beendigung des Druckes einzusetzen war, nicht gegönnt, dasselbe unter die Presse zu bringen. Mehr als ein Jahrhundert gieng dahin, ehe es veröffentlicht wurde und da büsste das Werk nicht blos die Einleitung sondern auch die Nachschrift, das Titelblatt, ja sogar auch seinen eigentlichen Namen ein. Dem Herausgeber schien es vielleicht nicht rätlich, dasselbe unter dem Titel ״Goder Perez,“ der darauf hindeutete, dass der Bibeltext mit Schäden und Fehlern behaftet war, bis Norzi kam und ihn wieder in seiner Integrität herstellte, erscheinen zu lassen. Er gab ihm daher einen Namen, der mit dem Inhalte des Buches nichts zu thun hat, aber um so deutlicher auf seinen Verfasser hinweist, indem er hierzu einen Ausdruck benutzte, den dieser in der Nachschrift zur Bezeichnung seines Werkes gebraucht*). Aus demselben Grunde musste diese wie auch die gehaltvolle Einleitung und das den Inhalt des Buches ausführlich beschreibende Titelblatt, in welchen Stücken der Verfasser immer auf den Namen ״Goder Perez“ zurückkömmt, entfallen. Der Schaden, der dem Werke Norzi’s damit zugefügt wurde, hat aber für dasselbe nach der anderen Seite seinen Nutzen gehabt. Hätte Raphael Chajim Basila mit diesem auch die Einleitung sammt den ihr entsprechen- *) In dieser (S. 21) sagt Norzi von seinem Buche ויחשב לי כמזבח כפרד. וכמנחה דל. Der Herausgeber setzte für das zweibuchstabige דל das in dieser Hinsicht ihm gleiche und mit .מנחי synonyme שי, das, wie bereits von Anderen bemerkt wurde, die Initialen von dem Namen des Verfassers darstellt.