Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 163)
- Language
- German
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158 also notwendig, dem Eindringen jüngerer Geistesproducte einen Damm entgegenzusezen. Das konnte nur durch die Vereinigung der heil. Schrift, zu einem Kanon geschehen. Josephus deutet (c. Ap. 1, 8) dieses Motiv an, indem er berichtet, dass die seit der Zeit Alexander d. Gr. verfassten Schriften kein Ansehen im Volke haben, ״weil für sie die genaue Ueberlieferung der Propheten nicht vorhanden ist“ (ÖLadoyj'] kann hier nicht ״ Aufeinanderfolge‘‘ bedeuten, da dies keinen Sinn giebt; es ist קבלה Ueberlieferung). Auch in Seder Olam rab. c. 30 bildet die Zeit Alexanders die Grenze zwischen Prophetentum und Gelehrsamkeit der Soferim אלכסנדר מקדון שמלך י״ב שנה עד כאן היו הנביאים מתנבאים ברוח הקדש מכאן ואילך הט אזנך ושמע דברי חכם־ם. Man darf wohl behaupten, dass die Bezeichnung קבלה, welche in der rabbinischen Literatur für das prophetisch-hagiographische Schrifttum im .Gebrauche ist, (Zunz gottesdienstl. Vorträge S. 44 Anm. a) die zu demselben gehörenden Bücher als die angenommenen oder als die überlieferten (מסר und קבל sind correlate Begriffe) hinstellt und sie so von den Apokryphen und sonstigen nicht anerkannten Werken unterscheidet. Es sind das eben die Schriften, für die, um mit Josephus zu sprechen, die dtcidoyfi ru>v /cgocprjtwv vorhanden war. Eine recht ansprechende Vermutung stellt der Verf. im dritten Abschnitte, in welchem er die Wertlosigkeit der in 2 Mak. 2, 13 enthaltenen Notiz von einer durch Nehemia veranstalteten Sammlung der biblischen Schriften nachweist (62 ff.) über die Erzählung des Buches Jona auf. Er betrachtet ״Jona b. Amithai“ als eine symbolische Bezeichnung Israels, das nach Jer. 51, 34, von dem babylonischen ״Seeungeheuer“ verschlungen wurde, welches wiederum (v. 44) den Frass herausgeben muss. Wir haben jedoch troz der Ausführlichkeit, deren sich der Verf. beüeissigt, um diese Auffassung zu rechtfertigen, nicht die Ueberzeugung gewinnen können, dass es sich mit dem Buche Jona so verhalte. Der Grundgedanke des Buches besteht darin, dass die Busse auch das bereits verhängte Strafgericht Gottes abzuwenden vermöge. Dagegen musste der Prophet, dessen Weissagung so stets illusorisch gemacht werden konnte, sich auflehnen (4, 2), bis er schliesslieh durch einen Vorfall, der ihn selbst betraf, zur Einsicht kam, dass der Mensch selbst für ein ihm Fremdes Schonung verlange, und darum die Gnade, die Gott den reumütigen Nineviten angedeihen liess, ganz gerechtfertigt war. Dass die Busse des Sünders die Vergebung vor Gott herbeiführe, ist nach der Hagada (Pesikta Ed. Buber No. 25, 158 b u. Parallelst.) eine Lehre, die weder durch die Thora, noch durch das Prophetentum und durch die hagiographische Weisheit geradezu aufgestellt wird, sie wird von Gott selbst verkündet. Es muss sonach diese Theorie einmal besonders zum Durchbruche gelangt sein, nachdem sie früher wenig Beachtung gefunden. Der historische Hintergrund des Buches Jona, das die Theorie von der Wirksamkeit der Busse zum Ausdrucke bringt, ist zwar verborgen, doch wird man, da auch Jona selbst durch die Reue, die er in seinem Gebete bekundete, wieder die Gnade Gottes erlangte, nur in dieser Richtung die Tendenz des Buches zu suchen haben. Dass es in den Prophetenkanon eingereiht wurde