Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 159)
- Language
- German
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154 Gräcismen und Neo־Hebraismen, die aus seinem Sprachgewande hervorschauen, zuzuweisen ist, ein Boden für derartige poetische Erzeugnisse vor- Landen war, darüber kann ein Bericht der Mischna uns belehren. Zweimal im Jahre, nämlich am fünfzehnten Ab und am Sühntage (?), heisst es in demselben, zogen die Töchter Jerusalems aus der Stadt hinaus und tanzten in den Weinbergen*). Den Jünglingen, die hier ihre Wahl zu treffen pflegten, stellten sie in sinnigen Sprüchen vor, wovon sie bei derselben sich sollen bestimmen lassen. Der Bericht, den wir über die Feier jener Volksfeste besitzen, ist zwar viel zu dürftig, als dass sich eine ergiebige Kunde aus ihm schöpfen liesse, aber das geht aus ihm mit voller Gewissheit hervor, dass nicht nur Tanz, sondern auch Gesang zum Wesen derselben gehörte*). Da im H. L., die ״Töchter Jerusalems“ als Sulamits Zuhörerinnen erscheinen und ״Weinberge“ in den Scenerie stark in den Vordergrund treten, so darf man die Vermutung wagen, dass sein Verfasser den Ton und Stoff seiner Poesie den idyllisch-erotischen Spielen, mit denen die Töchter Jerusalems an jenen Volksfesten sich unterhielten, entnommen hat. Die Lieder, welche von den Jungfrauen, die zum Beigentanze in die Weingelände hinausgezogen waren, gesungen wurden, hatten, wie wir dies aus dem Beferate der Mischna ersehen, eine didactische Tendenz und eine solche lässt sich auch n dem hohen Liede nicht verkennen. Kann man nun, wie wir bisher gezeigt, mit der generellen Auffassung, die K. vom hohen Liede hat, nicht übereinstimmen, einer Auffassung, über welche der conservative Standpunkt, den er durchwegs festzuhalten sucht (S. X. XI), ihn nicht hinausführen konnte, so wird man doch in der Erklärung לא היו ימים טובים לישראל כחמשת עשר באב וכיום הכפורים שבתן בנות 8 ,4 M. Taanit (* ירושלים יוצאות בכלי לבן שאולץ.. . ובנות ירושלים יוצאות וחולות בכרמים ומד. תיו .אומרות בחור שא נא עיניך וראה מת אתה בורר לך א^ תתן עיניך בנוי תן עיניך במשפחת Manche Texte (s. Babbinowitz III A, S. 162 und Bitba zn Taanit 30a) haben in beiden Sätzen ישראל für ירושלים und einige in dem ersten ישראל, im zweiten ירושלים. Letztere LA. hat sich auch in Midrasch Echa Petichata No. 34 erhalten und scheint, da die Wiederholung desselben Subjects sich sonst nicht erklären liesse, die richtige zu sein. Es ist auch fraglich, ob diese Tradition überhaupt ganz correct ist und ob es sich in Wahrheit nicht so verhielt, dass am Versöhnungstage die jüdisehen Jungfrauen weisse Gewänder anlegten und dass am 15. Ab die Töchter Jerusalem^ auszogen, um in den Weinbergen zu tanzen. **) Die Frage ומה תיו אומרות sezt dies als etwas Bekanntes voraus. Delitzsch der (zur Geschichte der jüd. Poesie S. 196) die noch erhaltenen Strophen eines Liedes, das bei einem solchen Volksfeste angestimmt wurde, mittheilt, meint, dass dieselben einen Wechselchorgesang bildeten, der von den Töchtern Jerusalems unter anderen Liedern, die mit Beigentanzen begleitet waren, vorgetragen wurde.