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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1877-01-01 · III. (1877) · page 158

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
III. (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 158)
Language
German
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153 hinzudenken, in denen im H. L. der Freund das Wort führt, sie ist in 2, 10 nur deshalb eingesetzt worden, weil sie hier dem Verständnisse zu Hilfe kommen muss (S. 25)“. Dieses Raisonnement hat eine irrige Voraussetzung zur Grundlage. Die Worte ענד. דודי ואמר לי sind nur in 2, 10 an ihrem Platze, weil Sulamit früher von der ״Stimme“ d. i. von der Bede (vgl. Jes. 40, 3, 6) des Freundes spricht, die sie vernommen zu haben glaubt (vgl. auch Kämpf S. 54). Die Worte, die er wirklich an sie gerichtet, beginnen erst mit 2, 14. In 5, 11, wo Sulamit wiederum den Zuruf des Freundes sich verdeutlicht, hat man sich עבד. דודי ואמי לי entschieden vor פתחי לי hinzuzudenken, diese Eingangsworte wurden aber hier nicht ausdrücklieh hingeschrieben, weil hier nicht wie in 2, 10 der Anführung der Rede, die Sulamit dem Rufe des Freundes entnommen, eine längere Beschreibung seiner Ankunft vorhergeht. Nicht viel stichhaltiger sind die anderen Einwürfe, die Grätz gegen die Drama-Hypothese erhebt. Er findet es S. 15 mit dem angeblich dramatischen Charakter des H. L. unvereinbar, dass Sulamit den Geliebten nicht sucht, sondern nur erzählt, dass sie ihn gesucht habe und dgl. Man nehme irgend ein Drama her und sehe, ob man die Handlung desselben nicht erst den Reden der Personen entnimmt, die in demselben auftreten. Wie soll in dem Drama, in dem eigentlich nur gesprochen wird, die Handlung denn anders dargestellt werden als durch gelegentlich angebrachte Aeusserungen, die auf ihre Einzelnheiten hinweisen? Dass das H. L. keine Handlung enthalte, wie Gr. (S. 16) sagt, wird man denn doch nicht in solcher Allgemeinheit behaupten können. Die Voraussetzung, dass das H. L. zur dramatischen Poesie gehöre, hat zwar Kämpf auf Irrwege geleitet, aber desungeachtet hat sie ebenso wie die Referats-Hypothese ihr Richtiges. Das H. L. ist ein Drama, das für Zuhör er und nicht für Zuschauer bestimmt war. In Palästina gab es, auch nachdem der hellenische Einfluss schon nach den verschiedensten Richtungen hin sich geltend gemacht hatte, keine Bühnen, keine Theater. Die Aufführung von Singspielen und Schaustücken war ganz gegen die Sitte und Denkweise des Volkes. War nun ein Dichter daran gegangen, ein Drama zu verfassen — im Verkehre mit dem von den philhellenischen Ptolemäern beherrschten Aegypten war ja die Anregung hierzu in reichem Masze] vorhanden — so musste er sich danach richten, er musste, da Bühneneffecte von Vorneherein ausgeschlossen waren, die Handlung in die Dichtung hineinlegen, sie gewissermassen in Rede verwandeln. Diesem Umstande hat der Verf. des H. L. in wahrhaft künstlerischer Weise Rechnung getragen. Er lässt mehrere Personen, sogar Chöre, singend oder sprechend auftreten, aber die Handlung lässt er immer am passenden Orte von Sulamit, der Heldin seiner Dichtung, erzählen, ohne dass der dramatische Charakter seines Werkes darunter leidet. Das Hohe Lied ist eben ein Drama, das zur Vorlesung, höchstens zum Spiele, aber nicht zu förmlicher Aufführung bestimmt war. Wo aber in der nachexilischen Periode, der das H. L. wegen der

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