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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1877-01-01 · III. (1877) · page 156

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
III. (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 156)
Language
German
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151 11. Es folgen noch zwei Zwiegespräche, in welchen beiden Sulamit die Antwortende ist. Dieselben sollen ihre wiedergefundene Zufriedenheit und ihre sich bewährende Treue darsteilen. Man erzählt ihr von den reichen Erträgnissen, die Salomo von seinen Weinbergen hatte, sie erklärt aber, dass sie, nun wieder ihren Weinberg (1, 6) hütend, auch den König um seinen Besiz nicht beneide. ״Mein Weinberg ist vor mir“, ruft sie neckisch aus, ״die Tausend Silberstücke behalte du Salomo, zwei Hundert gehören den Hütern seiner Frucht.“ Ihr Mann fordert sie dann auf, ihre Stimme hören zu lassen, die Freunde merkten auf ihren Gesang, sie aber weist dies zartsinnig ab. ״Fliehe, mein Trauter, gleiche einem Hirsche oder einer Rehgazelle auf den würzigen Bergen“ (8,11—14). Die Dichtung wird durch die zwei Dialoge in künstlerisch durchdachter Weise abgeschlossen. Sulamit klagte, als sie zuerst auftrat, darüber, dass sie ihren Weinberg nicht hüten könne, jetzt ist sie in seinem Besitze (v. 12). Salomos Hochzeitsfeier schliesst damit dass auch ״Freunde“ zum Liebesgenusse sich einfinden, Sulamit kann die Zumutung, dass die Genossen an ihrem Gesänge sich ergötzen, abweisen, ihr Freund ist ihr, wenn er auch über den Bergen dahinzieht. Nachdem der Inhalt des H. L. so weit gesichtet ist, dass dadurch der Bau dieses dichterischen Kunstwerkes klarer zu erkennen ist, wird man auch mit mehr Sicherheit die Poesiegattung bestimmen können, zu der es gehört. Von den altern jüdischen Schrifterklärern hat nur der Franzose Samuel b. Meir sich mit Klarheit darüber ausgesprochen. Er betrachtet das H. L. als eine (עלה bedeutet nicht blos ״aufsteigen“ sondern auch ״näherkommen“). — — Das Wort מתרפקת (v. 5) wird durch das rabbin. מרפק wol verständlich, auch das syr. עפק, das gewöhnlich für hebr. הבק eintritt, ist damit stammverwandt. — Dass חבלתך (v. 5) ״sie hat dich verwundet“ zu übersetzen“ sei, wie Grätz annimmt, lässt sich schon aus dem Grunde nicht annehmen, dass (vgl. Kämpf zur Stelle) das rabbinische חבל mit ב construirt wird. Es soll hier in poetischer Paraphrase gesagt werden, ״dort, wo du zu Hause bist“ (vgl. Ps. 87, 5). — Die Vergleichung der Liebe mit dem Tode (v. 7) musste Sulamit sehr nahe liegen, da sie bereits liebes krank war, auch קנאה kann hier nur die leidenschaftlich gesteigerte Theilnahme bezeichnen (vgl. Ps.69, 10) — Das verschiedentlich erklärte טירת (v. 9) dürfte vielleicht nichts anderes als ein hebraisirtes vuQQig sein; נצור das. ist eine von ציר (Thürangel) gebildete Verbalform. — Die Worte אז הייתי בעיניו כמוצאת שלום (v. 10) harren noch einer riehtigen Erklärung. Für אז lasen die 70 בעיני/ אני geben sie mit £v 0(f - ^a/^iolg avTiüv wieder, das wäre also בעיניהם, welches wiederum aus בעיניכם entstanden sein konnte. (Sollte diese Stelle vielleicht gelautet haben אני הייתי בעיניכם יוצאת בשלום?) Im Allgemeinen sollen diese Worte sagen, dass nun zwischen ihr und den Brüdern, die ihr gezürnt (1, 6) wieder der Friede hergestellt sein könne.

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