Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 153)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2418846-2418851--0628-2419517- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
148 Sulamit, komm her, lass dich anschauen“, rufen die Genossen ihres Freundes, die sie schon lange nicht gesehen hatten, ihr zu. ״Wollt ihr Sulamit ansehen, wie man eine Tänzerin in den Feldlagern ansieht? ich gehöre meinem Freunde und mein Freund, der auf Rosen weidet, gehört mir,“ erwiedert sie (7, 1; 6, 4). Der Freund preist nun ihre Schönheit, die Jerusalem und Thirza überstrahlt, er erklärt ihr, dass ihr Anblick ihn überwältigt habe und ergeht sich wie früher in der Schilderung ihrer herrlichen Gestalt ״Sechzig Königinnen sind da (am Hofe Salomo’s), achtzig Kebsen und Mädchen ohne Zahl, doch einzig ist mein Täubchen, mein Liebchen, einzig ist sie unter den Kindern ihrer Mutter, erkoren unter den Sprösslingen ihrer Gebärerin, die Töchter, die sie sähen, mussten sie preisen, Königinnen und Kebsen sie rühmen.“ (6, 5—10). Die Genossen ihres Freundes übernehmen diese Rolle, in bilderreicher Rede sprechen sie ihre Bewunderung für Sulamit aus (7, 2—7). Ihr Geliebter fühlt sich dadurch noch mehr zu ihr hingezogen, er stellt es ihr vor, welche Genüsse ihre Liebe zu spenden vermöge, er versteigt sich dazu, ihr in sinniger Rede zu erklären, dass er nun die Zeit für gekommen halte, in der sie alle ihre Liebesreize ihm erschliessen werde (7—12). Sie weiss, dass sie der Gegenstand seiner sehnlichsten Liebe ist, doch sie schiebt die Gewährung seines Verlangens wieder hinaus. ״Komm mein Freund,“ sagt sie zu ihm, ״wir wollen des Nachts in den Dörfern weilen, des Morgens in die Weinberge hinausgehen, sehen ob der Weinstock blüht, ob die Rebensknospen auf brechen, die Granaten ihre Sprossen treiben; da werde ich meine Liebesreize dir hingeben“ (v. 12—14). Bei dem ersten Wiedersehen hat sie ihn bei derselben Beschäftigung getroffen, (6, 11), zu der sie ihn jezt einladet. Der Anblick des wiedergefundenen Freundes hat einen so lebhaften und lieblichen Eindruck auf sie gemacht, dass ihr ganzes Wolgefallen auf ihm ruht, wenn sie sich ihn in der Situation denkt, in der er sich damals befunden, wenn er die Weinberge und Granatäpfel besichtigt. Doch kaum ist ihr das Wort: ״dort will ich meine Liebesreize dir hingeben“ entschlüpft, da sucht sie diesem Versprechen sofort eine harmlosere Bedeutung zu verleihen und durch eine mit sinnigem Wortspiele einlenkende Wendung ihm zu verstehen zu geben, dass sie nur von Veilchen gesprochen habe, die ihren Duft verbreiten und dass sie ihm die köstlichen Früchte darreichen wolle, die sie zu Hause für ihn auf bewahrt habe (v. 14)*). *) Die Partie 6, 3—7,14 leidet dadurch, dass einzelne Verse von der Stelle, an die sie ursprünglich hingehörten, weggerückt worden sind, an einiger Verworrenheit. Grätz hat es (S. 111 u. 112) bereits herausgefunden, dass 6, 11 in der Nähe von 6, 2 gestanden haben muss, aber er muss, da er den Ausruf v. 10 durchaus den Königinnen und Kebsen, deren Anwesenheit hier geradezu unbegreiflich ist, zuerkennt, einen ganzen hebräischen Vers aufsetzen, der in die vermeintliche Lücke hineinzu־ schieben ist. Die Verba ראוה ... ויאשרוה . . . ויהללוה (v. 9) sind jedoch