Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 152)
- Language
- German
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147 7. Nach diesem Intermezzo fährt uns der Dichter wieder zu [Sulamit zurück. Sie spricht zu den Töchtern Jerusalems, sie erzählt ihnen, was sich in dieser Nacht und zwar in der zweiten Hälfte derselben noch mit ihr zugetragen. Sie begab sich zur Ruhe, aber ihr Herz liess sie nicht schlafen, ihre Phantasie war wach. Wiederum hörte sie wie im Traume den Zuruf des Freundes, er hat an die Thüre geklopft und von ihr Einlass begehrt, aber es hielt sie in dem Augenblicke, indem sie mit ihm Zusammentreffen konnte, eine Stimme des Herzens davon zurück, ihm zu öffnen, sie hätte sich, giebt sie zum Scheine vor, erst ankleiden und die gewaschenen Füsse wieder mit Erdenstaub beflecken müssen. Doch bald wurde sie, wie er durch eine Oeffnung an der Thüre die Hand hereingestreckt, von einer tiefen Erregung ergriffen. Sie stand auf, um ihm den gewünschten Einlass zu gewähren, aber es war zu spät; in demselben Momente war er spurlos verschwunden. Sie war wie entseelt, als sie merkte, dass er fortgegangen war, sie suchte ihn und fand ihn nicht, sie rief ihn und er antwortete nicht. Die Wächter haben sie getroffen, sie geschlagen und verwundet, die Mauerhüter haben ihr Umhängetuch ihr weggezogen. ״Ich beschwöre euch Töchter Jerusalems“, ruft sie aus, ״wenn ihr meinen Lieben findet, sagt ihm nicht, dass ich liebeskrank sei.“ Die Frage der Töchter Jerusalem, ,warum sie denn wegen dieses Freundes sie so beschwöre, veranlasst sie, in einer schwungvollen Schilderung ihnen seine Gestalt vor Augen zu führen, und als sie dann weiter fragen, wohin denn der Freund sich wol hingewendet habe, erwiedert sie, dass er wol in seinen Garten gegangen sein werde, um die Weinstöcke zu besichtigen und Rosen zu pflücken (5, 2—6, 3)*) 8. Der Morgen ist angebrochen und Sulamit steht vor dem gesuchten Freunde, in dessen Nähe seine Genossen sich befinden. Ihre schöne Gestalt anstaunend, fragen sie den Freund, wer denn die sei, die wie das Morgenroth herniederschaue, ״schön wie der Mond, klar wie die Sonne, achtunggebietend wie eine unter einer Fahne stehende Heerschaar (6, lü).״ Er erzählte, dass er in den Nussgarten herabgestiegen sei, um sich umzusehen nach den Früchten am Bächlein, nach den Weinstöcken und Granatbäumen, da — er sei in diesem Augenblicke seiner selbst nicht mächtig gewesen — habe eine innere Erregungihn erfasst, dem die Tochter Aminadabs stand vor ihm (11,12). ״Komm her *) Wenn dem Freunde das Haupt voll ist vonThau (v. 2), so lässt sich daraus schliessen, dass bereits der grösste Theil der Nacht verstrichen war. Er spricht auch hier nicht wirklich, sondern Sulamit glaubt wie in 2, 10 seinen Zurul‘ zu hören. V. 3 bildet daher nicht die Antwort auf v. 2, sondern Sulamit erzählt hier nur ihren Zuhörerinnen, warum sie die Thüre nicht geöffnet habe, Auf בדברו (v. 6) kann man sich nicht berufen, da wahrscheinlich בעברו dafür zu lesen ist. Auch in 6, 2 hat der Text Schaden gelitten, es scheint nämlich לראות בגנים daselbst ursprünglich לראות בגפנים gelautet zu haben (vgl. 2, 13 u. 6, 11). : 10*