Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 151)
- Language
- German
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146 ״Du ganz bist schön meine Freundin und kein Fehl ist an dir“ (v. 4 1—8 mit Ausschluss von v. 6). Auch Salomo spendet seiner Braut liebliche Schmeicheleien, aber sie haben einen ganz anderen Klang. Nachdem er ihr in Aussicht gestellt, dass sie von den Spitzen des Hermon und Libanon herabschauen und durch jene wildromantischen Gegenden dahinstreifen werde, in denen Löwen hausen und Parder wohnen, da sie ihn ermuthigt, ihm ein Herz gemacht durch einen Anblick ihrer Augen, durch ein Funkeln des Kettchen an ihrem Halsgeschmeide, preist er mit denselben Worten, mit denen die Jungfrauen ihn gefeiert (1,2,8) ihre Minne — in den Zärtlichkeiten, die Sulamit und ihr Freund mit einander austauschen, wird diese nie ein Gegenstand des Lobes — ihre Lippen, nicht hinsichtlich ihrer Schönheit sondern hinsichtlich der Wonnen, die ein Kuss von ihnen gewährt, ihre Wangen, die in paradie- Bischer Schönheit blühen, ihre Jungfräulichkeit, wegen welcher er sie einen versiegelten Quell und einen verschlossenen Garten nennt. Mit der Apo- Strophe: ״Erwache Nord, Südwind komm, durchwehe meinen Garten, dass seine Gewürze hinfliessen“ schliesst er seine Rede. ״Es komme mein Freund in seinen Garten und geniesse der köstlichen Frucht“ erwiedert darauf die Braut. Der König folgt ihrer Einladung, er erzählt ihr von den Wonnen, die er gekostet. ״Nun“, ruft er am Ende aus, ״esset Freunde, trinket und berauscht euch, Genossen“ (4, 8—16, 5, 1) *). *) Es geht ein Zug feiner Ironie durch die Darstellung der Scene, in der der König mit der eben heimgeführten Braut sich unterhält. Er weilt nicht auf Myrrhenbergen und Weihrauchshügeln, sondern über den Höhen- Zügen des Hermon und Libanon streift er dahin, sie hat ihn ermuthigt, sich dahin zu begeben, wo Löwen und Parder den Aufenthalt unsicher machen. Sie hat seine Liebe nicht erst durch längeren Umgang mit ihm gewonnen, sondern in einem Momente, durch einen Blick, den sie ihm zugeworfen, sich selbe erobert. Er feiert mehr die Reize, die sie für ihn hat, als ihre eigentliche Schönheit, und, nachdem er den Vollgenuss ihrer Liebe empfunden, ladet er die Freunde ein, dass sie seine Wonne theilen! Wie anders verhält es sich mit Sulamit! Ihr Mann fordert sie auf, vor seinen Genossen nur ihre Stimme hören zu lassen und sie weist dieses Verlangen auf die anmutigste Weise zurück (8, 18, 14). Welch ein Unterschied zwischen einer Ehe am Hofe und einer solchen in der keuschen Einfalt des Landlebens! Auch in dieser Partie müssen einzelne Punkte noch klargemacht werden, wenn sie richtig verstanden werden sollen. Dass v. 12 hinter v. 15 gehört, ist bereits bemerkt worden. Danach wird v. 16 a noch als ein Bestandtheil der Rede des Königs anzusehen sein. In v. 8 empfielt es sich, nach den 70 אתי für אתי zu lesen. Das bisher nur auf gezwungene Weise erklärte שלחיך (v. 13) ist wahrscheinlich nur aus לחייך verschrieben. Die Wangen werden hier mit einem Garten ver- *"ז; glichen, wie 5, 13 mit einem Gewürzbeete.