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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1877-01-01 · III. (1877) · page 150

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
III. (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 150)
Language
German
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145 5• Die Nacht ist herniedergesunken, aber der Freund ist nicht wiederum über den Bergen herangekommen. Sulamit sucht ihn und findet ihn nicht, sie wandelt durch die Strassen und öffentlichen Plätze der Stadt, frägt die Wächter, die in der Nacht da herumgehen. ״Fast,“ erzählt sie den Töchtern Jerusalems, ״wäre ich noch weiter fortgegangen, bis ich den gefunden hätte, den meine Seele liebt, um ihn da festzuhalten und nicht loszulassen, bis ich ihn denn hingebracht hätte in das Haus meiner Mutter und in das Zimmer meiner Gebärerin.“ ״Ich beschwöre euch,“ spricht sie nun, nachdem sie dargestellt, wie weit die Liebess ehnsucht sie getrieben, ״lasset die Liebe nicht eher wach werden, bis sie ihr Verlangen finden kann (3,1—6)* *)“. 6. In derselben Nacht, in der ihr Sehnen sie vergeblich hinausgeführt, um den Geliebten zu finden, soll aber Sulamit es noch mitansehen, wie eine andere Jungfrau in Ehren ihrem Manne zugeführt wird. Der Dichter lässt von Ferne einen feierlichen Brautzug herankommen. Die Töchter Jerusalems fragen, was da von der Wüste her emporsteige, einherwallend wie eine Bauchwolke, duftend von Myrrhen, Weihrauch und köstlichen Wohlgerüchen, und sie erfahren, dass der König Salomo eben sein Hochzeitsfest feiere. Die einen beschreiben den Zug: ״Siehe es ist der Brautwagen Salomos, geleitet von sechzig Helden wegen des nächtlichen Grauens“ die andern schildern die Pracht der Sänfte, die Salomo für seine Vermählung hat anfertigen lassen und fordern die Töchter Jerusalem auf, zu betrachten den König Salomo in der Krone, die ihm seine Mutter auf’s Haupt gesezt hat am Tage seiner Vermählung und seiner Herzensfreude (3, 6—11)**). Die beiden Liebhaber besingen nun die Jungfrauen, die sie sich erkoren. Der in der Ferne weilende Freund Sulamit’s wird redend eingeführt, er feiert ihre Schönheit in den lieblichsten Bildern, bis seine Schilderung ihren Gipfelpunkt erreicht in dem Ausrufe: recht zweifelhaft ist, in Palästina noch andere Orte desselben Namens, so einer südwestlich von Jerusalem (Schwarz d. heil. Land S. 78), ein anderer in der Nähe von Lydda (das. S. 106) und ein BriraQig (ב< תרי) in Judäa (Jos. b. j. 4, 8 1). *) Die Präterita in v. 4 sind hypothetisch zu fassen, wie in Jes. 1, 9 כמעט כסדום היינו לעמודה דמינו, vgl. auch Gen. 26, 10 u. a. St. Der Vers besteht aus einem Vorder- und einem Nachsatze (כמעט—נפשי, אחזתיו—הורתי). **) Es ist nicht anzunehmen, dass (v. 7) blos das Bett Salomo’s von einer Heldenschaar geleitet wurde, sondern dass auch die Braut sich in demselben befand. Der Bräutigam liess die Sänfte machen, auf der die Braut bei ihrer Vermählung ruhte (Sota 12 a). Dass die Braut am Abende dem Bräutigam zugeführt wurde, ist schon aus Gen. 29, 23 zu ersehen; der Dichter konnte es sich gestatten, diesen Act in die Nacht zu verlegen. In v. 6 bezeichnet מן המדבר die Kichtung, von der der Zug herankömmt, er kömmt also nicht direct aus der Wüste, sondern von der Seite her, in welcher auch die Wüste gelegen ist. 10

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